Wenn die Wende nicht gewesen wäre...

Tag der deutschen Einheit: Für die Schröders ein Familienfeiertag

Schröder Tag der deutschen Einheit Lüdenscheid Wiedervereinigung
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Uta und Sven Schröder feierten in diesem Jahr Silberhochzeit – ohne die Wiedervereinigung hätten sie sich womöglich nie getroffen.

„Wir hätten nie unsere herrlichen Enkelkinder und Schwiegertochter bekommen, wenn die Wende nicht gewesen wäre“, beschreibt Angelika Schröder (78) ihre persönliche Verbindung mit der deutschen Wiedervereinigung. Zum 30. Mal jährt sich morgen der Tag der deutschen Einheit. Für viele Menschen ist es mehr, als der Gedenktag des Mauerfalls – es ist ein Familienfeiertag.

Lüdenscheid - Auch für die Schröders. Dr. Sven Schröder (54) aus der ehemaligen DDR konnte dadurch seine Frau Uta (50) aus dem Münsterland kennenlernen. Das Ehepaar lebt heute mit seinen beiden Kindern in Lüdenscheid. Inzwischen sind auch Svens Eltern, Angelika und Günter Schröder, in die Bergstadt gezogen. „Die Wende bedeutet für mich Freiheit. Ein neues Leben ohne politische Diktatur und Bevormundung.“ erklärt Sven Schröder.

Bevor die Mauer fällt, ist er Schüler an einer Oberschule. Sein Werdegang scheint vorherbestimmt – als Offizier in der Armee. Sven Schröder hat einen anderen Wunsch: Er will Arzt werden. Die Hürden sind hoch. Erst nach einem dreijährigen Armee-Einsatz kann er 1988 sein Medizinstudium beginnen. Dann kommt die Wende und mit ihr plötzlich viele neue Möglichkeiten – zum Beispiel Reiseziele, die zuvor undenkbar gewesen wären.

Frankreich. Auf einem Campingplatz in der Bretagne trifft er 1992 Uta. Was er zu dem Zeitpunkt noch nicht weiß: Sie wird später seine Ehefrau. Die gebürtige Coesfelderin hat damals ihre Banklehre abgeschlossen und befindet sich kurz vor ihrem Studium der Betriebswirtschaftslehre in Münster. Zwei Jahre lang müssen die beiden zwischen dem inzwischen grenzfreien West- und Ostdeutschland pendeln.

Die Arztausbildung in Magdeburg hat einen guten Ruf. Das ermöglicht es Sven Schröder, Stellenangebote aus Nordrhein-Westfalen anzunehmen und mit Uta in Münster zusammenzuziehen. „Dadurch habe ich meinen Beruf umso mehr aus eigener Überzeugung angetreten und nicht aus irgendwelchen anderweitigen Gründen. Diese Überzeugung, nämlich Menschen zu helfen, habe ich immer noch“, bekräftigt Dr. Schröder. Im Jahr 1995 kommt es dann zur deutsch-deutschen Hochzeit. Die beiden Kinder machen das Glück perfekt. Eine neue Stelle im Klinikum Hellersen führt die junge Familie nach Lüdenscheid.

„Sowohl Uta als auch Sven haben die gleichen Werte vermittelt bekommen“, führt seine Mutter Angelika Schröder aus, „und deshalb war diese Diskrepanz – einmal im Osten, einmal im Westen aufgewachsen – überhaupt nicht vorhanden.“ Sie selbst und ihr Mann blieben noch lange in Magdeburg. Die Wende hat aber auch ihr Leben verändert. „Auch wir als Schwiegereltern haben uns gegenseitig viel gezeigt. Aus dem Westen kannten wir ja nichts“, erinnert sich die ehemalige Grundschullehrerin und Dom-Führerin in Magdeburg.

„Es war nicht gewünscht, als Lehrerin kirchlich gebunden zu sein. Daher war die Wende für mich wie eine Befreiung. Ich musste keine heimlichen Führungen mehr geben. Natürlich ist auch so manches zerbrochen. Es war schließlich eine ganz andere gesellschaftliche Ordnung, aber insgesamt haben wir dadurch ganz viel profitiert“, sagt die 78-Jährige.

Den Umbruch erlebte auch ihr Sohn unmittelbar: „Kapitalismus ist kein Kindergarten. Früher wurde sich um einen gekümmert, und nun muss man sich selber kümmern“, sagt Dr. Sven Schröder. In der DDR sei natürlich wenig Spielraum gewesen. „Dadurch war die Chance aber geringer, in der Gosse zu landen. Die soziale Sicherheit ist das, was vorhanden war.“

Er weiß aber auch: Ohne den Mauerfall würde seine Familie nicht existieren. „Was sich daraus entwickelt hat, ist das Entscheidende – unsere Kinder und eine Beziehung, die Grenzen überwunden hat.“

Von Regina Lang

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