Der Tafel fehlen vor allem Babynahrung und Gemüse

An der Ausgabe: Zwei Mitarbeiter der Lüdenscheider Tafel geben einen blauen Berechtigungsschein aus.

LÜDENSCHEID - Als Reaktion auf den LN-Bericht über die Lebensmittelknappheit bei der Lüdenscheider Tafel will die CDU-Fraktion den Verein entlasten: Die geplante Kürzung des städtischen Mietzuschusses für die Fabrik Berg um 1700 Euro soll zurückgenommen werden. Den Antrag kündigte der Fraktionsvorsitzende Oliver Fröhling für den Sozial- und Seniorenausschuss am Dienstag an.

Dass ein Verzicht auf diese Kürzung bei anderen betroffenen Einrichtungen Begehrlichkeiten wecken könnte, erwartet Fröhling nicht. „Hier geht es um das Grundbedürfnis des Sattwerdens, und da stehen viele Kinder.“

Tatsächlich war das auch am gestrigen Ausgabetag so: Kinder und ältere Leute wurden von Ursula Schwarzkopf und ihren Mitstreitern wie immer vorgelassen. Besonders bedrückend: Ausgerechnet an Babynahrung und Windeln herrscht zurzeit der größte Bedarf. Auch Gemüse, das die Helfer gerade Familien mit Blick auf eine gesunde Ernährung der Kinder gerne mitgeben würden, ist absolute Mangelware.

Oliver Fröhling erinnerte daran, dass der Mietzuschuss für die Tafel nach deren Umzug in die Fabrik Berg ein fraktionsübergreifender Konsens war. Auch SPD und FDP erklärten denn auch ihrerseits, dass der Lüdenscheider Tafel geholfen werden soll – auf welche Weise, sei aber noch zu klären. Für Jens Holzrichter (FDP) ist klar, dass im Rat der Konsens herrscht, diese Einrichtung mit ihrer segensreichen Arbeit nicht im Stich zu lassen. „Darüber muss es auch keine politische Auseinandersetzung geben.“ Im Übrigen liege das Hauptproblem offensichtlich nicht bei der Politik, sondern in der Bereitschaft, Lebensmittel zu spenden.

Ingo Diller, Fraktionsvorsitzender der Sozialdemokraten, sieht das ebenso. Er appellierte gestern an die Lüdenscheider Händlerschaft, der Tafel künftig wieder mehr verwertbare Lebensmittel zur Verfügung zu stellen: „Das muss doch zu schaffen sein!“

Stadtkämmerer Karl Heinz Blasweiler sieht indes sehr wohl die Möglichkeit, dass ein Verzicht auf diese Kürzung andere Zuschuss-Empfänger auf den Plan ruft. Viele könnten darauf verweisen, wichtige gesellschaftliche Anliegen zu vertreten. Blasweiler erinnerte daran, warum die durchgehend 20-prozentigen Abstriche bei den Zuschüssen erfolgt waren: Die Finanzaufsicht hatte bemängelt, dass die freiwilligen Leistungen der Stadt im Nothaushaltsjahr 2010 höher lagen als 2009, als Lüdenscheid noch einen rechnerisch ausgeglichenen Etat vorwies. Für den Fall eines Verzichts erwarte er jedenfalls einen Deckungsvorschlag.

Einen Lösungsweg für die Tafel nannte Bürgermeister Dieter Dzewas der Vorsitzenden Ursula Schwarzkopf: Sie könne sich um eine Stadtwerke-Spende bewerben. Das will sie jetzt tun.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare