Metalldiebstahl in massivem Umfang

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Regenrinnen und Fallrohre aus Kupfer, im Bild an der Musikschule, werden immer wieder Ziel von Dieben.

Lüdenscheid - „Der Schrott geht uns im wahrsten Sinne des Wortes flöten“, spielt Heino Lange auf die Metallsammler an, die vor den Arbeitern des STL die Lüdenscheider Straßen nach Alteisen und Buntmetallen absuchen. Der Schaden sei beträchtlich, erläuterte der Werkleiter jetzt dem Werksausschuss.

Ausgelöst wurde der spontane Bericht durch eine Anfrage des CDU-Ratsherrn Rüdiger König. Aus seinem Bekanntenkreis schilderte er einen Fall, in dem rund 300 Kilo Metallschrott abends zur Abholung an die Straße gestellt worden waren. Als der STL morgens kam, war die Ladung komplett weg.

Das ist offenbar keine Seltenheit, wusste Lange. Zwar sammelt der STL immerhin 650 bis 700 Tonnen pro Jahr ein, aber im Vergleich zu früheren Jahren fehlten 100 bis 150 Tonnen in der Bilanz. Das wiederum ist bares Geld, das an Einnahmen fehlt und letztlich über höhere Gebühren aufgefangen wird. Denn eine Tonne Mischschrott bringt aktuell rund 130 Euro pro Tonne. Allerdings sortiert der Stadtreinigungs-, Transport- und Baubetrieb das Metall selbst. Und sortenreiner Schrott kostet ein Vielfaches. Zwischen 1100 und über 4000 Euro wird gezahlt für Kupfer, je nach Zustand. Reines Zinn wird mit 7000 Euro pro Tonne gehandelt.

Das illegale Sammeln ist dabei eindeutig Diebstahl. In dem Moment, in dem das Altmetall zur Abholung bereitgestellt wird, geht es ins Eigentum des STL über. Die Diebe wissen das, ignorieren es aber schlichtweg. „Die Stadt ist groß, Straßen gibt es viele“, stellt Lange nüchtern fest. Zwar sei die Polizei informiert und auch der Märkische Kreis, doch in der Regel seien die Täter über alle Berge. Zugute kommt ihnen auch das Servicebewusstsein der Entsorger. Weil die Abfuhrpläne im Internet zu finden sind, sei es für sie, „wie sich an einen gedeckten Tisch zu setzen“.

Dass es an Unrechtsbewusstsein völlig fehlt, dokumentieren auch nächtliche Aktivitäten auf dem Waldfriedhof in Piepersloh, der von der Stadt betrieben wird. Die Regenrinnen aus Kupfer sind mehrfach abmontiert worden, bis der STL resignierte. Inzwischen sind sie aus Plastik. Noch dreister gingen Diebe vor, die die Glocke des früheren Glockenturms stahlen, die als Dekoration am Kolumbarium fest im Betonfundament verschraubt war. Ebenfalls nacheinander entwendet wurden die Bronzetafeln des Hochkreuzes. Jetzt sind beziehungsweise werden sie durch Steintafeln ersetzt. Auf 11 000 Euro schätzt Andreas Fritz, stellvertretender Werkleiter, allein den materiellen Schaden. Der ideelle Wert sei dabei noch gar nicht eingerechnet.

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