Szenische Lesung erinnert an Ghetto in Theresienstadt

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Yasmin Alijah hat mit ihren Arrangements und Kompositionen die Stimmungen der Novelle – vorgetragen von Ruth Schimanski – musikalischen Ausdruck verliehen.

LÜDENSCHEID ▪ Ein Text, der die Angst, die Verzweiflung, das Grauen und vergebliche Funken von Hoffnung im jüdischen Ghetto in Theresienstadt eindrucksvoll schildert, stand im Mittelpunkt der traditionellen Gedenkveranstaltung für die Opfer des Holocausts.

Aber es waren nicht nur die Worte, sondern auch die Art der Inszenierung, die die Zuhörer im Bürgerforum des Rathauses das Leid nachempfinden ließ. „Das Requiem von Theresienstadt“ als szenische Lesung mit Texten aus einer Novelle von Josef Bor und musikalischen Arrangements, Bearbeitungen und eigenen Kompositionen von Yasmin Alijah erlebte dort seine Uraufführung. Der Komponistin ist es gelungen, mit ihrer Musik den eindrucksvoll von Ruth Schimanski vorgetragenen Worten noch mehr Ausdruck zu verleihen. Sie selbst saß an Flügel und E-Piano, Maria Lütgens spielte Cello, Volker Alipaß war an den Trommeln und als Tenor dabei.

Die Musik griff die Stimmungen der Texte auf, entwickelte sie weiter und gab den Zuhörern so Raum, das eben Gehörte wirken zu lassen. Dumpfes Grollen wechselte sich mit erwartungsvoller Hoffnung, mit Trauer, Leid und Trotz ab – je nachdem, was Ruth Schimanski zuvor gelesen hatte. Bor schildert in seiner Novelle, die auf wahren Ereignissen beruht, wie Dirigent Rafael Schächter in Theresienstadt jüdische Künstler um sich scharte, um unter anderem Verdis Requiem aufzuführen. Die ausgesuchten Textpassagen brachten das Grauen des menschenverachtenden NS-Terrors mit all seiner perfiden Logik zum Tragen. Nie, so heißt es am Schluss, sollten die Künstler getrennt werden – so gehen alle gemeinsam auf einen Transport.

Schon beim Gedenken an der Stadtbücherei hatte Hella Goldbach von der Gesellschaft für christlich-jüdischen Zusammenarbeit ein Gedicht vorgetragen, das in Theresienstadt entstanden war. Heiner Bruns, Leiter der Katholischen Bildungsstätte, hatte das Kaddisch verlesen.

Die Arrangements und Kompositionen von Yasmin Alijah sind Teil eines größeren Werkes, das ebenfalls mit Texten aus der Bor-Novelle zur Aufführung kommen soll. Außerdem ist eine CD-Einspielung geplant. ▪ gör

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