An Lüdenscheider Bushaltestelle

Syrerin findet Geldbörse - und erhält eine bewegende Botschaft

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Über 100 Euro befanden sich in der Geldbörse.

Lüdenscheid - Ein Frau aus Syrien findet ein Portemonnaie an einer Bushaltestelle in Lüdenscheid. Sie schaut nicht einmal hinein und sagt: "Ich kenne das Gefühl, etwas zu verlieren." Was dann passiert, damit hätte sie nie gerechnet. 

Als Heike Müller (Name geändert) den Anruf von der Polizei erhielt, fiel ihr ein Stein vom Herzen. Den ganzen Nachmittag hatte sie gesucht, war die gesamte Strecke noch einmal abgefahren und war in den Geschäften vorstellig geworden, in denen sie an diesem Tag eingekauft hatte. In ihrer Geldbörse steckte schließlich ihr halbes Leben. Bankkarten, Führerschein, Fahrzeugschein und mehr als 100 Euro Bargeld. Jetzt war alles weg. 

„Ich weiß nicht, wie viel Geld da drin war“

„Ihr Portemonnaie wurde gefunden“, sagte der Polizeibeamte am anderen Ende der Leitung. Was Heike Müller zu diesem Zeitpunkt aber nicht wusste: Finderin war eine Frau aus Syrien. 

Esma Jabir (Name geändert) war am 9. November gerade auf dem Rückweg von einem Bewerbungsgespräch, als sie die Geldbörse an der Bushaltestelle Nottebohmstraße liegen sah. „Als ich sie gefunden habe, habe ich gar nicht reingeschaut. Ich weiß nicht, wie viel Geld da drin war. Erst der Polizist, dem ich es gegeben habe, sagte, dass es viel ist“, erzählt die Syrerin. 

„Ich kenne das Gefühl, etwas zu verlieren.“ 

Auch ihr Sohn hatte schon einmal seine Brieftasche verloren. Er bekam sie zwar zurück, doch das Geld hatte jemand herausgenommen. Und ihr selbst wurde vor einigen Monaten das Handy gestohlen. Sie zögerte daher keine Sekunde, das gefundene Portemonnaie zur Polizei zu bringen. „Ich kenne das Gefühl, etwas zu verlieren.“ 

Esma Jabir war im Oktober 2015 allein als Flüchtling nach Deutschland gekommen. Ihr Ehemann, ihre Tochter und ihr jüngster Sohn blieben in dem Bürgerkriegsland zurück. Zwei erwachsene Kinder sind in Dortmund und in den Niederlanden untergekommen. Seit Januar 2016 lebt Esma Jabir allein in Lüdenscheid. Im Moment ist sie auf Jobsuche – bei einer Bäckerei und bei Leihfirmen hat sie es schon probiert. Bislang aber noch ohne Erfolg. 

Was sie zum Leben braucht, zahlt das Jobcenter 

Was sie zum Leben braucht, zahlt das Jobcenter. 416 Euro Geldleistungen erhält sie monatlich. Nach Abzug von Busfahrkarte, Handy, Internet und Fernsehen bleiben ihr noch 250 Euro zum Leben.

Als die Nachricht vom Fund kam, war Heike Müller zu allererst erleichtert. Sie ließ sich von dem Polizeibeamten Name und Adresse der Finderin geben, um sich zu bedanken. „Ich bin ein christlicher Mensch, das ist für mich eine Selbstverständlichkeit“, sagt Müller im LN-Gespräch. 

Über Finderlohn gefreut

Nach Erlebnissen in der Vergangenheit war es für sie aber alles andere als selbstverständlich, dass sie ihre Geldbörse jemals vollständig wiedersehen würde. „Etliche Jahre zurück wurde mir das Portemonnaie gestohlen. Ich hab es zwar wiederbekommen, aber das Geld war weg. Auch einem Verwandten ist so etwas passiert.“ 

„Danke, dass es noch Engel gibt“: Diese Karte erhielt die Finderin von der Eigentümerin der Geldbörse – beigelegt war ein 20-Euro-Schein. 

Heike Müller schrieb daraufhin einen Brief an Esma Jabir : „Ich freue mich, dass es doch noch ehrliche Menschen gibt. Danke, dass es noch Engel gibt.“ Diese Worte haben die Syrerin, die schon viel in ihrem Leben erlebt hat, sehr bewegt, wie sie im LN-Gespräch erzählt. 

Auch über den „Finderlohn“ hat sie sich gefreut. Heike Müller hatte dem Brief einen 20-Euro-Schein beigelegt und geschrieben: „Vielleicht möchten Sie sich von dem Geld etwas Schönes kaufen.“ Weil es Ende des Monats war, kaufte sich Esma Jabir etwas zu essen.

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