Schlagabtausch auf dem Sofa

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Suzanne von Borsody und Guntbert Warns in „Der letzte Vorhang“.

LÜDENSCHEID -  Die Ebenen und Zeiten vermischten sich in Windeseile. Und wer nicht aufmerksam genug dabei blieb, konnte da schon mal den Faden verlieren: Donnerstagabend zeigten Suzanne von Borsody und Guntbert Warns in deutschsprachiger Erstaufführung das Stück „Der letzte Vorhang“.

Von Jutta Rudewig

Ein alternder Schauspieler. Richard. Exzentrisch, alkoholabhängig. Alle hat er vergrault, und nun droht eine Premiere zu platzen. Da taucht seine ehemalige Partnerin Lies auf, die vor Jahren einen Gynäkologen heiratete und mit ihm nach Frankreich zog, einzig, um sich dem Bann Richards zu entziehen. Alte Wunden brechen auf.

Für Warns und von Borsody bot die Inszenierung nahezu perfektes Rollenfutter. Raffinierte Dialoge, ein verbaler Schlagabtausch rund um ein hochglanz-poliertes Chesterfield-Sofa als marginale Bühnenausstattung und dazu zwei glänzende Charakterdarsteller gaben dem Theaterabend die nötige Würze, wenn auch die Ausgangssituation ein wenig konstruiert war. Richard und Lies wechselten im Steilflug von der Vergangenheit in die Gegenwart, vom Theater ins Theater, von Lebenslügen zur Realität. Temperamentvoll vor allem Guntbert Warns, der mal seine, mal die Rolle des Gynäkologen spielte, um dann wieder in Erinnerungen zu schwelgen an die Zeiten, in denen Lies für ihn in der heruntergekommenen Kneipe von Wim und Anni auf dem Tisch tanzte.

Während der erste Akt voller komischer, mitunter aber auch in die Länge gezogener Dialoge steckte, offenbarte der zweite Teil der Inszenierung dann die ganze Tragik der Beziehung zwischen Richard und Lies, die schließlich mit Richard abschließt und ihrem Mann wieder an die Cote d’Azur folgt. Ein fesselndes Theaterstück, das das Publikum im fast voll besetzten Saal mit lang anhaltendem Applaus belohnte.

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