Projekt stadt.land.text NRW 2020

Südwestfalen 2020: Heimat-Hexen und Social Distancing statt Schützenfest

Screenshot Stadt Land Text NRW Südwestfalen
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Dr. Barbara Peveling war der geplante Residenzaufenthalt als Regionenschreiberin nicht möglich. Dennoch sind mit dem Blick aus der Ferne Beiträge über Südwestfalen entstanden.

Sie war kaum in Lüdenscheid angelandet, da musste Barbara Peveling auch schon wieder zurück zu ihrer Familie nach Frankreich. Die deutsch-französische Grenze wurde geschlossen, und fortan betrachtete die Regionenschreiberin das Geschehen in Lüdenscheid aus 600 Kilometern Entfernung.

Die Rahmenbedingungen waren durch das Corona-Jahr nicht gerade einfach – aber jetzt ist das Projekt stadt.land.text NRW 2020 fertig. Zehn Autoren erkundeten von März bis Juni 2020 Nordrhein-Westfalen. Die Autoren sahen sich mit nie dagewesenen Einschränkungen konfrontiert. Dank kreativer Um- und Auswege aller Beteiligten fand es dennoch statt – in diesem Jahr unter der Federführung der Kulturregion Niederrhein. Die gebürtige Siegerin Barbara Peveling ging von Ferne auf die Suche nach dem Besondereren „ihrer“ Region.

Rund 100 000 Euro lässt sich das Land NRW das Projekt „stadt – land – text“ mit seinen Regionenschreibern kosten. Alle zwei Jahre laden die zehn Kulturregionen und das Ministerium für Kultur und Wissenschaft des Landes Nordrhein-Westfalen zu einem viermonatigen Residenzaufenthalt ein. Die Regionsschreiber schauen aus sehr unterschiedlichen Perspektiven auf die Kulturlandschaft ihrer Gastgeberregion. Die literarischen Ergebnisse stellen die zehn Kulturregionen und das Ministerium für Kultur und Wissenschaft nun im „NRW-Lesebuch“ vor. Auf 200 Seiten umfasst es rund 60 Beiträge der Regionsschreiberinnen und -schreiber, zahlreiche Illustrationen sowie ein in die Schreibwerkstätten schauendes Gespräch mit den Autorinnen und Autoren. Der Blog www.stadt-land-text.de bringt außerdem zehn Podcasts zu Gehör, die in lebhaften Interviews Einblicke in die sehr verschiedenen Arbeitsweisen geben.

Denn trotz aller Schwierigkeiten verfolgte Barbara Peveling ihr Projektziel weiter. In die Kulturregion Südwestfalen kam sie, weil sie hier ihre ersten Lebensjahre verbrachte. Die Autorin und promovierte Ethnologin wurde 1974 in Siegen geboren, verbrachte ihre Kindheit in Olpe und ihre Jugend in Bonn. Sie arbeitete einige Jahre in einer sozialen Einrichtung in Israel, studierte in Tübingen sowie in Paris und forschte für ihre Doktorarbeit in Marseille. Ihre Romane erschienen bei Nagel und Kimche in Zürich und Goldegg in Wien.

Sie war Finalistin beim Open Mike und erhielt Preise und Auszeichnungen. Sich selbst bezeichnet die Autorin „als in der Welt zu Hause und im Herzen immer der Heimat treu geblieben“, auch wenn Frankreich mittlerweile zu einem festen Wohnsitz geworden ist, wo sie mit ihrem Mann und den zwei Söhnen lebt.

Vier Seiten voller Beiträge hat Barbara Peveling verfasst, die zwischen „Homeoffice, Homeschooling, Homestipendium, Homeputzen, Homekochen und Homebacken“, wie sie sagt, von Heimat-Hexen, der Wunderkammer in den Museen bis hin zum Social Distancing statt Schützenfest erzählen.

Mit herausragenden Projektideen hatten sich Peveling und ihre Mitstreiter Pascal Bovée, Tilman Strasser, Annika Stadler, Charlotte Krafft, Carla Kaspari, Yannic Han Biao Federer, Larissa Schleher, Brandstifter und Justine Z. Bauer erfolgreich für das bundesweit in dieser Form einzigartige Residenzprogramm beworben. Mit der Buchveröffentlichung geht das landesweite biennale Stipendienprojekt nun zu Ende.

Für die kommende Runde im Jahr 2022 wird die Kulturregion Münsterland ab dem 1. Januar 2021 die Federführung übernehmen. Das Lesebuch kann von der Website www.stadt-land-text.de heruntergeladen werden.

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