Die Süchtige und ihr Helfer

LÜDENSCHEID ▪ Die Frau und der Mann, sie geben ein eher trauriges Bild ab. Nachbarn im selben Haus sind sie, miteinander befreundet, arbeitslos beide – und jetzt als Komplizen nebeneinander auf der Anklagebank. Es geht um Drogenkäufe und Diebstähle. Milieu-Delikte.

Das Hauptaugenmerk des Schöffengerichts liegt auf der Frau (33). Seit Jahren ist sie heroinsüchtig. Eines ihrer Kinder (9) lebt in einer Pflegefamilie, ein anderes (17) unter behördlicher Betreuung, das dritte Kind ist gestorben. Vier Vorstrafen, allesamt im Zusammenhang mit der Abhängigkeit, markieren den Lebensweg, der bergab führt. 80 Mal soll sie im vergangenen Jahr einen Dealer in dessen Wohnung an der Winkhauser Straße besucht und Heroin von ihm gekauft haben. „Ich brauche etwa 0,2 Gramm am Tag“, sagt sie. Aber 80 Taten seien das nicht gewesen. „Ich war zwischendurch im Methadon-Programm.“

Trotzdem: Hartz IV reicht für den Konsum nicht, es muss mehr Geld her. Bei Schlecker zwei Flaschen Parfum eingesteckt, bei Bijou Brigitte zwei Halsketten. „Die Sachen wollte ich verkaufen.“ Und bei WMF eine Pfanne für 99 Euro. „Die wollte ich direkt gegen Heroin eintauschen.“ Der Richter wundert sich. „Wo denn? Bei einer Hausfrau? Oder einer Köchin?“ Die Antwort: Schweigen.

Dafür spricht ihr Freund (39). „Ich gebe alles offen zu: Beihilfe zum Diebstahl.“ Denn er war bei den Ladendiebstählen der „Schlepper“, wie der Richter es ausdrückt. Er stand vor der Tür und hat die Beute in seiner Tasche verstaut. Ob er von dem Erlös auch Drogen abbekommen habe, will der Richter wissen. „Nein, ich habe mit Betäubungsmitteln nichts zu tun, ich trinke nur.“ 250 Euro Geldstrafe muss er bezahlen.

„Wenn er nicht geholfen hätte, hätte sie trotzdem geklaut“, sagt Leichter. Sie bekommt, ein früheres Urteil einbezogen, eine Gesamtstrafe: 18 Monate „ohne“ – und die Chance auf eine Therapie.

Olaf Moos

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