Strenge Auflagen für 69-jährigen Lüdenscheider

LÜDENSCHEID / HAGEN - Mit einer Bewährungsstrafe ist gestern ein 69-jähriger Lüdenscheider davongekommen.

15 Fälle von Beleidigung, fünffacher Diebstahl geringwertiger Sachen, siebenfache Sachbeschädigung, zweifache Bedrohung und Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte, sowie zweifache vollendete und eine versuchte Körperverletzung – so die Liste der Vorwürfe, denen sich ein Lüdenscheider seit dem 2. Juni vor dem Hagener Landgericht stellen musste. Gestern verkündete die Kammer das Urteil: Ein Jahr und zehn Monate Haft, plus Unterbringung in einem psychiatrischen Krankenhaus – beides auf Bewährung.

Vor dem Urteil erklärte ein Gutachter, dass der 69-Jährige unter phasenweise depressiven Verstimmungen leide, die ihn zum Alkohol greifen lassen. Diese Kombination führe zu den vorgeworfenen Taten. Die habe der 69-Jährige im Zustand verminderter Steuerungsfähigkeit begangen. Unter anderem hatte er das Nummernschild des Pfarrers geklaut, Blumen aus einem Beet gerissen, eine Diebstahlssicherung zerstört, Polizisten beleidigt, Nachbarn mit dem Tode bedroht und den Lattenzaun einer Realschule kaputt gemacht. Besonders schwerwiegend sind zwei Körperverletzungsdelikte. So hatte der Lüdenscheider am 30. Oktober 2009 einem Ladendetektiv, der ihn beim Schokoladen-Diebstahl erwischt hatte, einen Schlag gegen das Kinn versetzt. Ein paar Wochen zuvor hatte er einem Ladenangestellten einen Faustschlag verpasst, nachdem dieser ihn wegen der beschädigten Diebstahlsicherung zur Rede gestellt hatte. Ohne psychiatrische Behandlung und unter Alkoholeinfluss, so die Überzeugung des Gerichts, werde es mit höchster Wahrscheinlichkeit zu weiteren Übergriffen gleicher Art und Heftigkeit kommen. Um dem vorzubeugen, erlegte die Kammer dem Lüdenscheider für die nächsten fünf Jahre strenge Regeln auf. So ist es ihm untersagt, Alkohol zu trinken. Zudem muss er sich der Aufsicht eines Bewährungshelfers unterstellen, einmal wöchentlich die Suchtberatungsstelle aufsuchen, und alle vier Wochen bei einer ambulanten, fachpsychiatrischen Behandlung vorstellig werden. Der Verstoß gegen eine dieser Auflagen führt zum Widerruf der Bewährung. Als Entschädigung für die Opfer der tätlichen Übergriffe, muss der 69-Jährige in einem Fall 1103,10 Euro und im zweiten Fall 300 Euro an die Geschädigten zahlen. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. - jape

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