Streit zwischen Ermittler und Verteidiger

Lüdenscheid - Er war dabei. Und er hat kräftig zugelangt, das gesteht er ein. Doch am dritten Prozesstag gegen den wuchtigen Schläger kommt es zu heftigen Auseinandersetzungen zwischen Verteidiger Andreas Trode und einem Ermittler der Kripo. Möglicherweise dürfen Teile der Erkenntnisse gegen seinen Mandanten nicht verwertet werden.

Der 50-jährige Kriminalbeamte schildert plastisch, wie er dem Mittäter nach dem Gewaltverbrechen auf die Spur gekommen ist. Denn der bereits verurteilte Haupttäter und Initiator des Übergriffs hatte den Namen seines Komplizen in seinem eigenen Prozess verschwiegen. Doch seine „Ex“, zugleich „Ex“ des Misshandlungsopfers, wusste, wen die Polizei sucht.

Sie hat einen privaten Bekannten bei der Polizei. Nur dem will sie die Identität des Gesuchten verraten. Der Ermittler bittet diesen Kollegen um Hilfe, einen Tag später hat der ihm den Namen besorgt – unbürokratisch und simpel. Aber ohne „offiziellen Ermittlungsauftrag“, wie Andreas Trode moniert.

Der Fall

Ein heute 28-Jähriger soll im März ‘13 mit einem Komplizen einen jungen Werkzeugmechaniker in dessen Wohnung an der Wilhelmstraße überfallen, übel misshandelt und ausgeraubt haben. Der Komplize wurde bereits zu sieben Jahren verurteilt. Der 28-Jährige hat ein Teilgeständnis abgelegt. - omo

Im übrigen sei die sogenannte Lichtbildvorlage, über die der Verdächtige identifiziert werden soll, „unkorrekt“gelaufen, sagt der Verteidiger. Gesucht wurde sein späterer Mandant, ein weißer Mann, 1,86 Meter groß, 120 Kilo schwer. In der Reihe der Auswahlfotos findet sich unter anderem ein schlanker Typ mit augenscheinlich orientalischer Herkunft. „Eine Unverschämtheit“, schimpfte Trode schon am ersten Prozesstag.

Doch der Ermittler reagiert sauer auf die Kritik. „Mir werden hier unfaire Vernehmungsmethoden unterstellt. Das lasse ich mir nicht gefallen, da schwillt mir der Kamm.“ Doch Trode bleibt stur. Er widerspricht der Verwertung der so erlangten Erkenntnisse. Der Vorsitzende Richter Till Deipenwisch nimmt es zu Protokoll.

Weitere Zeugen können kaum zur Wahrheitsfindung beitragen. Ein junger Mann, der das Opfer ins Klinikum gebracht hat, schweigt sich über Hintergründe aus. Er möchte sich nicht selbst belasten. Laut Anklage lagerte auch Marihuana in der Wohnung an der Wilhemstraße.

Der Prozess wird am 26. November um 9 Uhr fortgesetzt.

Von Olaf Moos

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