Streit um Plakatwerbung: Pippi sagt Gastspiel ab

Pippi Langstrumpf kommt nicht nach Lüdenscheid: Die vorgeschriebene Werbung war der Kinderbühne zu teuer, und Plakate an privaten Zäunen sind in Lüdenscheid untersagt.

LÜDENSCHEID ▪ Statt in Lüdenscheid gastieren Pippi Langstrumpf und ihr Affe Herr Nilsson vom 18. April bis 3. Mai in Solingen. Die Bürgerschützen, die den kleinen Zeltbau einer reisenden Märchenbühne auf dem Festplatz schon im Januar vereinbart hatten, erhielten jetzt die Absage. Grund: Das Kindertheater durfte in Lüdenscheid keine eigenen Plakatträger aufstellen, auch Werbung an Zäunen von Privatgrundstücken wurde ihm von der Stadt Lüdenscheid untersagt. Für die Märchenspieler, die ihr Zelt füllen müssen, war das ein K.o.-Kriterium.

Der BSV-Vorsitzende Rolf Linnepe reagierte mit Unverständnis: „Wir machen für solche Bühnen eigens kleine Preise, da geht‘s nicht ums Geld, sondern darum, Kindern Spaß zu bereiten. Dank der rigiden Regelung verliert die Stadt solche kulturellen Beiträge. Das geht so nicht.“

Die Stadtverwaltung beruft sich indes auf einen Ratsbeschluss, der vor etwa zwei Jahren gegen wildes Plakatieren gefasst wurde. Seitdem gilt: Nur wer einen Zirkus betreibt, darf auf eigenen Aufstellern werben. Alle anderen Veranstalter müssen in Lüdenscheid die Rahmenschilder nutzen, die von einer Berliner Firma vermietet werden. Deren Preise allerdings kann das Kindertheater nicht bezahlen, wie der Chef der Märchenbühne gestern auf LN-Anfrage erklärte. Was ihn aber endgültig zur Absage brachte: „In Lüdenscheid wird uns nicht mal gestattet, bei Privatleuten mit Freikarten in der Hand anzuklingeln und darum zu bitten, unsere Plakate am Jägerzaun anbringen zu dürfen. Die holen wir nachher ab, damit gab es nie Ärger. Wir reisen in 70 Städte, und nur in dreien gibt es das Verbot privater Werbung. Dafür dürfen wir dann mehr Plakatträger aufstellen, nur in Lüdenscheid nicht.“ Und bloß mit Handzetteln zu werben, sei ein zu großes Risiko.

Dieter Rotter, Bauservice-Leiter der Stadt, reagierte erstaunt auf die Absage: „Wenn das so schlimm wäre, dann frage ich mich, warum vor kurzem ein Kindertheater auf dem Sternplatz stand.“ Zudem sei die Verwaltung kompromissbereit, aber in diesem Fall habe der Veranstalter ohne jeden Abstrich auf sein Vorhaben bestanden.

Das Werbeverbot gebe es, seit Großplakate einer Monster-Truck-Show das Stadtbild massiv beeinträchtigten. Die Zirkus-Ausnahme habe die Politik beschlossen, um diese Kultur zu erhalten. Und zu den Preisen: „Die Grundgebühr für Plakatierungen in Höhe von 270 Euro plus 230 Kaution hätte die Bühne ohnehin zahlen müssen.“ Damit wäre der Abstand zu den obendrein verhandelbaren Preisen der Agentur in Berlin nicht mehr groß gewesen.

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