Streit um Kunstrasen bricht in Politik erneut auf

Für marode Straßen und Treppen will die CDU mehr Geld ausgeben – ihre Kritik am stattdessen erfolgten Bau von Kunstrasenplätzen löste bei SPD und FDP heftige Reaktionen aus.

LÜDENSCHEID - Schon im Vorfeld des Hauptausschusses vom Montag löste ein CDU-Antrag auf 300 000 Euro zusätzlich für Reparaturen an Straßen und Treppen in der Stadt gestern heftige Reaktionen von SPD und FDP aus.

Zum einen reklamiert die SPD den Vorschlag für sich, weil sie erst im März eine fast gleichlautende Anfrage an die Stadtverwaltung gerichtet hatte. „Deren Antwort abzuwarten, um dann schnell einen eigenen Antrag zu formulieren, ist eine Unverschämtheit“, schäumte Fraktionschef Ingo Diller.

Auch Jens Holzrichter, Fraktionsvorsitzender der Liberalen, ging angesichts des CDU-Antrags förmlich in die Luft, und dafür sorgte ein kritischer Passus zu den neuen Kunstrasenplätzen. Unions-Fraktionschef Oliver Fröhling hatte darin erklärt, dass man sich schon zweimal vergeblich für die Rücknahme von Kürzungen der Straßenbaugelder im Stadthaushalt eingesetzt habe. Nach zwei harten Wintern in Folge werde auf den Straßen nun „die verfehlte Infrastrukturpolitik der vergangenen zwei Jahre immer offensichtlicher“ – und Fröhling moniert, dass dringend benötigtes Geld für die Straßen „vornehmlich in andere Projekte wie Kunstrasenplätze gesteckt wurde“.

Das brachte Holzrichter auf die Palme: „Zur Einweihung der Plätze am Dickenberg und in Wefelshohl standen der CDU-Sportausschussvorsitzende Rüdiger König, der CDU-Sportdezernent Dr. Schröder und weitere Unionsvertreter neulich ganz vorne mit der Schere am Band und ließen sich feiern. Und das, obwohl sie vorher mit teils halblauteren Mitteln versucht hatten, diese Plätze zu verhindern.“ Die Plastikwiesen jetzt in anderen Zusammenhängen immer wieder als Fehlinvestition darzustellen, sei doppelzüngig. „Vielleicht stellt sich die CDU ja mal an einen Stand in Brügge, wo am Sonntag der dritte Platz eingeweiht wird, und fragt die Bevölkerung, ob sie statt des neuen Platzes lieber eine besser asphaltierte Volmebrücke Am Kamp gehabt hätte.“

Außerdem seien für die Plätze bekanntlich Bundesgelder aus dem Konjunkturpaket verbaut worden. Von Rüdiger Ochel abgesehen, der sich als Brügger CDU-Ratsherr „für seinen Stadtteil und gegen seine Partei“ entschieden habe, als es um den dortigen Kunstrasen ging, dürfte laut Holzrichter kein Ratsmitglied der Union die Erfüllung dieses Bürgerwunsches für sich in Anspruch nehmen: „Ich bin mal gespannt, wer von denen sich am Sonntag noch nach Brügge traut!“

Die Volmebrücke Am Kamp hatte die CDU in ihrem Antrag mit den Treppenanlagen Dickenberg und Eibenweg als besonders dringliche Maßnahmen genannt. Doch auch ihr Hinweis, dass man mit den Zusatzgeldern dort möglichen Schadenersatzforderungen wegen nicht erfüllter Verkehrssicherungspflichten vorbeugen müsse, verfängt für Jens Holzrichter nicht – hier müssten notfalls vorläufige Warnschilder reichen.

Im Übrigen seien Schlaglöcher auf den Lüdenscheider Straßen keineswegs erst mit dem Wahlsieg der Ampel-Ratsmehrheit entstanden, und erst recht nicht aus bösem Willen. Holzrichter: „Alle Stadträte der vergangenen Jahre mussten hier sparen.“

Ingo Diller verwies darauf, dass die Union unbeantwortet ließ, wie sie die 300 000 Euro gegenfinanzieren will.

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