Streit um Hilfsmittel für blinde Kinder

Die blinde Diana Kaiser (6) bekommt wie Max (Name von der Redaktion geändert) kein Mobilitätstraining von der AOK finanziert.

LÜDENSCHEID ▪ Max (Name geändert), sechs Jahre alt, ist ein quirliger, neugieriger und aufgeweckter Junge. Und blind. Um ihm seinen Alltag zu erleichtern, hat die Familie des Jungen einen Antrag für ein Mobilitätstraining gestellt. Doch die AOK lehnte ab.

Daraufhin schaltete die Familie den Lüdenscheider Rechtsanwalt Olaf Kühnapfel ein.

„Eine Prozesskostenhilfe ist bewilligt worden. Ein Termin vor dem Sozialgericht steht aber noch nicht fest“, sagt Kühnapfel, Experte für Medizin-, Sozial- und Arbeitsrecht. „Ärzte und Lehrer sowie die Mobiliätstrainerin gehen davon aus, dass er das kann und es sinnvoll ist, ihm diese Hilfsmittel zur Verfügung zu stellen.“

Gemeint sind damit die Gewährung eines Langstocks, in dessen Handhabung Max von einer Mobilitätstrainerin – in diesem Fall von Kerstin Hettrich aus Hemer – unterwiesen wird und eben Übungen und Hilfestellungen, mit denen sich der Sechsjährige nach und nach immer besser und selbstständiger in seinem Umfeld und darüber hinaus bewegen kann.

An diesem Punkt scheiden sich die Geister: Während Fachleute und Pädagogen, die mit schwer sehbehinderten und blinden Kindern arbeiten, der Überzeugung sind, dass Max von den Hilfsmitteln profitiert, ist die AOK sehr skeptisch und stützt sich in ihrer Ablehnung des Antrags auf die Begutachtung durch den Medizinischen Dienst. Danach sei Max in einem Alter von sechs Jahren geistig und motorisch noch nicht so weit, um mit den Hilfsmitteln umzugehen. „Im Alter von zehn Jahren ist das überhaupt kein Thema. Das ist unserer Meinung eher der richtige Zeitpunkt, um mit dem Mobilitätstraining zu beginnen“, sagt Ute Pöppel, bei der AOK für den Fachbereich Hilfsmittelgewährung zuständig. „Bis zu dem Alter ist es unserer Meinung nach Aufgabe der Schule, die Mobilität zu trainieren. Wir sträuben uns nicht dagegen, Geld für das Mobilitätstraining, das zwischen 6000 und 7000 Euro kostet, auszugeben, haben nur eine andere Auffassung, wann es gewährt werden sollte“, unterstreicht Pressesprecher Ralf Jurka. „Das kann auch im Alter von neun Jahren sein, aber mit sechs ist dies unserer Auffassung nach zu früh.“

Mobilitätstrainerin Kerstin Hettrich ist da ganz anderer Auffassung und stützt dies unter anderem auf ein Fachgutachten von Professor Michael Brambring zum „Unterrichtsbedarf für eine Schulung in Orientierung und Mobilität mit dem Langstock für sehgeschädigte Personen“,

Auch Olga Maier hat Widerspruch eingelegt gegen einen ablehnenden Bescheid der AOK. Ihre Tochter Diana ist ebenfalls blind. „Ein Mobilitätstraining wäre eine große Hilfe für Diana und auch für meine Familie“, sagt sie und wartet gespannt darauf, wie das Sozialgericht im Fall von Max entscheidet.

„Das Urteil wird aber keine Allgemeingültigkeit haben und ist somit nicht übertragbar auf ähnlich gelagerte Probleme“, betont Rechtsanwalt Kühnapfel. „Es wird nur für diesen einen Fall gelten.“

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