Streit um eine nasse Wand

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Diese beiden Verteilerkästen auf Privatgrund nahe dem Kluser Platz sind zum Streitobjekt geworden.

Lüdenscheid - Zwischen den Stadtwerken und der Hausbesitzerin Marlies Woeste bahnt sich ein gerichtlicher Streit an. Anlass ist eine durchfeuchtete Mauer im Haus Werdohler Straße 92. Die Frage, ob die Verteilerkästen an der Hauswand die Ursache für den Schaden sind und wer für die Sanierung aufkommen muss, beschäftigt Bausachverständige, Versicherungen und Juristen.

Von Olaf Moos

Vor rund zwei Monaten, sagt die 74-Jährige im LN-Gespräch, habe ihr der Mieter im Erdgeschoss das Malheur gemeldet. „Die Stadtwerke haben die Verteilerkästen vor vielen Jahren dort hingebaut und dafür Löcher gebohrt. Und genau dahinter, nirgendwo anders, ist nun alles kaputt.“

9. Juli: Beim „Kundenservice Netztechnik“ des Energieversorgers wird der Fall zunächst geschäftsmäßig behandelt. Man bedauere den Schaden hinter den Verteilerschränken. Der sei aber „nicht ursächlich auf die Elektroverteilungen“ zurückzuführen. Die Stadtwerke, heißt es in dem Brief an die Kundin weiter, würden die Kästen abbauen und wieder aufstellen, wenn Marlies Woeste die Wand hat reparieren lassen. Das allerdings „müssen wir dem Kunden in Rechnung stellen“. Pauschalpreis: 1487,50 Euro.

16. Juli: Marlies Woeste hat einen Gutachter beauftragt. Er attestiert ihr, es sei „eindeutig nachvollziehbar, dass der Schaden (...) in Verbindung mit den davor stehenden Verteilerkästen zu sehen ist“. Das Gutachten kostet 900 Euro.

27. August: Bei einem Ortstermin mit Vertretern der Stadtwerke und deren Versicherern sowie der Hausbesitzerin und ihrem Gutachter wird die Lage erörtert.

28. August: Die Versicherung der Stadtwerke bietet der Hausbesitzerin an, die Kästen „kostenneutral für Sie“ ab- und später wieder aufzubauen. Auch die Kosten für ihren Gutachter würden übernommen. Sollte sie nicht einverstanden sein, bliebe nur der Rechtsweg. „Auch die oben gemachten Zusagen entfallen sodann.“

Stadtwerke-Sprecher Andreas Köster bezeichnet das als „kulantes Lösungsangebot“. Den Klageweg halte man bei den Stadtwerken für „nicht zielführend“. Die nasse Wand auf eigene Kosten zu sanieren, kommt für Marlies Woeste allerdings aus Prinzip nicht in Frage. Ihr Appell: „Nun sollten mal alle Hausbesitzer, die Verteilerkästen an ihren Wänden haben, genau nachschauen, wie es dahinter aussieht!“

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