Streit Am Breitenfeld: Schimmel vergiftet Klima

LÜDENSCHEID ▪ Für Richard Leipold ist das Maß voll. „Wenn man hier einzieht, findet man eine blütenweiß renovierte Wohnung vor“, sagt der LüWo-Mieter. „Aber wenn’s draußen kalt wird, zieht der Schimmel hier ein.“ Die 13 Wohnungen Am Breitenfeld 16 sind befallen. In Zimmerecken, hinter Möbeln oder in Fensterleibungen blühen Sporen durch die Tapeten.

Die Angst vor Krankheiten und die Vermutung, dass Allergien, Nasenbluten oder eine Asthma-Diagnose, wie bei Mieter Kazim Ibrahim, mit dem Schimmel zu tun haben, sitzt in den Köpfen der Betroffenen. Nachweise dafür fehlen.

Auf der Gegenseite ist LüWo-Geschäftsführer Christoph Loos überzeugt, Leipold und seine Mitstreiter hätten selbst Schuld. „Messungen der Raumtemperatur und -feuchtigkeit haben ergeben, dass die Mieter nicht richtig lüften.“ Und wenn er und seine Mitarbeiter „nicht sicher“ seien, wer den Befall zu verantworten habe, „dann werden wir aktiv“, so Loos. „Ich will ein vernünftiges Verhältnis zu den Mietern haben.“

Doch die Hausgemeinschaft ist misstrauisch. Leipold schreibt Briefe, „weil ich telefonisch bei der LüWo einfach nicht weitergekommen bin.“ Die zwölf Nachbarparteien unterschreiben Ende Januar Richard Leipolds Zeilen an die Vermieter: „Mit unserer Unterschrift bezeugen wir, dass bei der Bestandsaufnahme, welche in einem Übernahmeprotokoll festgehalten wurde, kein (...) Schimmelbefall erkennbar war. Da Ihnen der Schimmelpilzbefall bekannt war, liegt hier eine arglistige Täuschung vor.“

Einwöchige Messungen eines LüWo-Ingenieurs mit einem sogenannten Datenlogger dokumentieren ein ungesundes Raumklima. Zu kalt, zu feucht. „Das liegt an dem Schimmel“, sagt der Wortführer der Mieter. Und schreibt in einem neuen Brief, wenn der Schimmel schon vor dem Einzug vorhanden sei, bekomme man ihn „auch mit Lüften nicht mehr weg“. Der Ingenieur sei nicht objektiv, sondern vertrete nur die Auffassung seines Arbeitgebers.

Der Architekt Markus Trompetter, vereidigter Sachverständiger für Schäden an Gebäuden, plädiert für ein gründliches Gutachten. „Schimmelbefall kann durch falsches Heizen und Lüften entstehen, durch bauliche Mängel oder durch Außenschäden – oder durch alles zusammen.“ Christoph Loos sagt. „Ein Sachverständigengutachten kostet viel Geld.“ Richard Leipold favorisiert ein Schiedsgutachten. „Wer nicht Recht behält, muss es bezahlen.“ Das sei nur gerecht.

Am 16. Februar bekommt er stattdessen einen Brief von dem Kölner Rechtsanwalt Dr. Marc Dickersbach. Im Auftrag der LüWo mahnt er Richard Leipold ab. Der Mieter habe dem Ruf der LüWo durch den Vorwurf der arglistigen Täuschung Schaden zugefügt, heißt es in dem Schreiben. Und er müsse für die anwaltlichen Bemühungen 186,24 Euro bezahlen. Die Nachbarn erhalten am 25. Februar ebenfalls Abmahnungen. Leipold: „Die wollen uns einschüchtern.“

Die Fronten sind verhärtet, das Klima ist vergiftet. Loos kündigt an, alle rechtlichen Möglichkeiten ausschöpfen zu wollen. Gegenüber den LN erwähnt er „mittelfristig energetische Maßnahmen“, also eine Dämmung der Außenmauern. Aber nicht wegen des Schimmels, betont der Geschäftsführer. „Sondern damit uns die Heizkosten nicht davonlaufen.“

Olaf Moos

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