Der Held aus Lüdenscheid

Imbissbetreiber schlägt bewaffneten Räuber in die Flucht - doch die Polizei warnt

Stratos Überfall Schlachthauser Straße Lüdenscheid
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Überfall auf den Kult-Imbiss Stratos an der Schlachthausstraße: Der Täter wurde allerdings von Inhaber Stratos Mihalitslis in die Flucht geschlagen.

Ihm wurde eine Waffe an den Kopf gehalten. Dennoch behielt Stratos Mihalitslis die Nerven und vertrieb den Angreifer.

Lüdenscheid – Die Bergstadt ist um einen Helden reicher. Sein Name: Stratos Mihalitslis. Der Inhaber des gleichnamigen „Stratos“-Imbiss an der Schlachthausstraße 2 ist am Samstag in seinem Geschäft überfallen worden. Sogar mit einer Schusswaffe wurde er bedroht. Dennoch bot er dem Angreifer die Stirn und schlug ihn damit in die Flucht.

StadtLüdenscheid (Kreisstadt)
Landkreis Märkischer Kreis
Einwohner72,313

Gegen 19.30 Uhr betrat ein maskierter Mann den Imbiss. „Er ist reingekommen und hat sofort einen Schuss an die Decke abgefeuert“, erinnert sich der Imbiss-Inhaber. Seine Tochter, die auch im Laden war, habe sich sofort versteckt.

Überfall auf Imbiss: Betreiber bleibt cool - „kein Loch in der Decke gesehen“

„Als ich kein Loch in der Decke gesehen habe, war mir klar, dass das keine richtige Pistole ist.“ Der maskierte, mit einem Mantel bekleidete Mann sei dann auf ihn zugegangen. „Er schrie mich an und wollte das Geld haben“, berichtet der Lüdenscheider.

Was dann geschah, war alles andere als normal. „Du hast hier nichts zu suchen. Du kriegst kein Geld von mir“, entgegnete der Familienvater dem Maskierten. Doch der Angreifer ließ sich zunächst nicht von seinem Vorhaben abbringen. „Er ist dann auf mich zugegangen und hat rumgeschrien, dass er das Geld haben will.“

Imbissbetreiber bewahrt die Nerven: Schuss abgefeuert - direkt am Kopf

Erneut reagierte Mihalitslis nicht im Sinne des Täters und verwehrte ihm zum zweiten Mal die Herausgabe des Geldes. Die Reaktion ließ nicht lange auf sich warten. „Der Mann hat dann noch einmal einen Schuss aus der Waffe abgefeuert – direkt an meinem Kopf. Dann ist er geflüchtet.“ Beute habe er nicht einsacken können. Bei der Waffe handelte es sich wohl um eine Schreckschusspistole, wie Polizeisprecher Christof Hüls bestätigte.

Vom Lauf der Pistole hat der Imbiss-Boss noch zwei Tage später eine Schürfwunde an der Stirn, mehr ist ihm dabei jedoch nicht passiert. Das Geschäft lief wie gewohnt weiter.

„Fünf oder sechs Minuten hat das alles gedauert, länger nicht. Leider ist er nicht noch zwei, drei Minuten länger geblieben. Dann war nämlich die Polizei da, die ein Bote von uns gerufen hat, als er von seiner Auslieferung zurückgekommen ist und die Situation gesehen hat“, ärgert sich Mihalitslis sogar etwas, dass der Angreifer so schnell aufgab. Als gefährlich wollte er die Situation nicht einstufen. „Ich wusste ja, dass das keine echte Waffe ist.“

Überfall auf Imbiss: Polizei ermittelt

Die Polizei Lüdenscheid hat die Ermittlungen zu dem Fall aufgenommen, sieht jedoch keine Parallelen zum Überfall auf die Aral-Tankstelle an der Altenaer Straße, bei dem der ebenfalls männliche Täter auch einen Mantel trug. „Der Mantel ist die einzige Schnittmenge zwischen den beiden Täterbeschreibungen. Der Rest unterscheidet sich dann doch“, sagte Polizeisprecher Christof Hüls. Wer sachdienliche Hinweise zu dem Überfall auf den Imbiss oder auch den Tankstellenraub hat, kann sich unter folgender Telefonnummer bei der Polizei melden: 0 23 51 / 9 09 90.

Polizei im MK warnt: Bei Überfällen nicht den Helden spielen0

Der Überfall auf den Imbiss in Lüdenscheid ist glimpflich verlaufen. Doch das ist keine Selbstverständlichkeit. Die Polizei im MK warnt eindringlich davor, bei Raubüberfällen den Helden zu spielen, denn Opfer und Räuber befänden sich während der Tat in einer emotionalen Ausnahmesituation „Versuchen Sie ruhig zu bleiben, damit die Situation nicht eskaliert. Gehen Sie kein unnötiges Risiko ein. Der Schutz Ihres Lebens und Ihrer Gesundheit ist viel wichtiger, als der Schutz materieller Werte.“

Das sind die Tipps der Polizei für Überfall-Situationen:

  • Angst während eines Überfalls ist eine normale menschliche Reaktion und wird vom Täter erwartet. Solange Sie sich so verhalten, wie der Täter es von Ihnen erwartet, wird er Sie nicht als Bedrohung seines Taterfolges ansehen.
  • Signalisieren Sie durch möglichst ruhige Bewegungen und Sprache, dass Sie den Anweisungen Folge leisten.
  • Richten Sie Ihre Aufmerksamkeit auf den Täter und halten Sie Blickkontakt, auch wenn Sie nicht unmittelbar in seinem Fokus stehen.
  • Gefährden Sie sich nicht durch Gegenwehr.
  • Stellen Sie sich dem Täter nicht in den Weg und verfolgen Sie ihn nicht.
  • Prägen Sie sich persönliche Merkmale des Täters sein.
  • Setzen Sie nach seiner Flucht sofort einen Notruf über die 110 ab und teilen Sie Ihre Beobachtungen mit. Sofern ein stiller Alarm vorhanden ist: Lösen Sie diesen nur aus, wenn dies gefahrlos möglich ist.
  • Ziel eines Räubers sind materielle Werte, wie z.B. Bargeld oder Schmuck. Hierfür ist es grundsätzlich nicht empfehlenswert, die eigene oder die Gesundheit anderer zu riskieren. Hat er seine Beute erhalten, wird er schnellstmöglich die Flucht ergreifen

Die Kriminalprävention der Polizei MK berät kostenlos zum Thema. Die Fachleute sind telefonisch erreichbar unter 02372/9099-5510 oder -5511. Viele weitere Tipps finden Sie auch im Internet.

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