Strahlender Regisseur und glückliche Akteure

Gelungene Premiere in der Schlesinger-Fabrik

Es hätte so schön sein können zwischen Strasser (Jan Deisenroth) und Christine (Linda Steppan), der Mutter seines Sohnes. Doch es kommt leider anders.

Lüdenscheid - Ein strahlender Regisseur Christoph Schlesinger, glückliche Schauspieler und ein zufriedenes Publikum: Mit einem fröhlichen Beisammensein feierten Ensemble und Besucher in der Schlesinger-Fabrik die gelungene Premiere der Verbindung von zwei Theaterstücken: Ödön von Horváths „Zur schönen Aussicht“ und Alan Ayckbourns „Muttertier“.

Mutterschaft war das verbindende Thema beider Stücke. Den alltäglichen Wahnsinn einer alleinerziehenden Mutter zwischen Unmengen von Kuscheltieren zeigt Alan Ayckbourns Einakter „Muttertier“. „Nicht mit Jamies Sirup spielen!“ ist nur eine der vielen Ermahnungen, die Mutter Lucy (Sarah Bütow) zu Beginn des Stücks kaskadenartig auf ihre Kinder herabregnen lässt. Ganz verhalten reagiert sie zunächst auf den Besuch der Nachbarin Rosemary (Lena Lauterjung), die sich anerkennend über die mütterliche Leistung auslässt: „Man weiß doch, wofür man das alles macht.“ Mama Lucy weiß es besser: „Ich habe keine andere Wahl“, weist sie das Hohelied auf die sich fröhlich aufopfernde Mutter zurück. Und dann steigert sie sich dank der tollen Leistung von Sarah Bütow immer mehr hinein in ihre Rolle als einsame Familiengenerälin, die nur noch von Anweisung zu Anweisung lebt.

Und so bekommen Rosemary und ihr hinzukommender Mann Terry (Tristan Fuhrmann) die Chance zu erleben, wie die Welt der Anordnungen und Vorschriften aus der Perspektive von Kindern aussieht.

Fast 50 Jahre bevor Alan Ayckbourn sein Muttertier auf die Bühne schickte, thematisierte der österreichische Dramatiker Ödön von Horváth das Thema „alleinstehende Mutter“ auf weit tragischere Weise. Strasser (Jan Deisenroth), der bankrotte Inhaber des Hotels „Zur schönen Aussicht“, hatte vor einem Jahr in einem von dessen Zimmern ein Stelldichein mit einer rothaarigen Schönheit. Zahlreiche Briefe, die ihn über die lebendigen Folgen dieses Ereignisses aufgeklärt haben, hat er unbeantwortet gelassen. Nun kommt Christine (Linda Steppan) erneut in das Hotel, um die Möglichkeiten für ein gemeinsames Leben mit dem Vater ihres Kindes auszuloten. Sie trifft auf eine bizarre Versammlung von Figuren, denen die Heimat- und Orientierungslosigkeit nach dem Zusammenbruch der österreichisch-ungarischen Monarchie irgendwie eingeschrieben ist: Der bankrotte Spieler Emanuel Freiherr von Stetten (Christoph Schlesinger), der seine Zwillingsschwester Ada Freifrau von Stetten (Henriette Schlesinger) um Geld anbetteln muss, um seinen Suizid noch zu verhindern. Die wiederum verzichtet darauf, älter zu werden, und spaziert mit ihrem jungen Lover und Fahrer Karl (Rouven Scholz) durch die Weltgeschichte. Natürlich begrüßte das Publikum mit besonderem Hallo ihre goldenen Worte: „Ich bin nämlich ganz anders, aber ich komme nur so selten dazu.“ Bedrückend, weil schauspielerisch sehr überzeugend, war schließlich das Komplott, mit dem die Kerle im Hotel sich verschworen, jegliche Alimente oder gar eine Ehe des bankrotten Direktors abzuwenden. Alle gaben nun vor, etwas mit der armen Christine gehabt zu haben. Linda Steppan als Christine wehrte sich dagegen in einer derart anrührenden und verhaltenen Weise, dass die Komödie begann weh zu tun. Doch dann folgte ein Schluss, der die Heiterkeit der anschließenden Feier begünstigte.

Die beiden nächsten Vorstellungen am 25. Oktober und am 15. November sind ausverkauft. Karten gibt es aber noch für den 5. Dezember, 20 Uhr. Vorbestellungen für einen noch offenen Termin im Januar nimmt das Ensemble entgegen: h.schlesinger@gmx.de oder telefonisch: 02351/24450.

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