Neues aus dem Amtsgericht

Strafprozess nach Gaunereien zu Lasten der Gesellschaft

Rund zwölf Millionen Euro beträgt das Gesamtvolumen des Rudelzhausener Haushalts 2021. Symbolbild: PLEUL/DPA
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Symbolbild

„Das Leben ist eine Baustelle“ – so hieß eine Tragikomödie, die 1997 in die Kinos kam. Damals war die Angeklagte zwölf Jahre alt. Jetzt ist sie 36 und hat selbst eine Reihe von Baustellen: kein Beruf, zwei Vorstrafen, Hartz IV, vier Kinder von vier Männern – und schon wieder ein Strafverfahren am Hals. Es geht um eine Ansammlung von Betrügereien.

Lüdenscheid - Bei den meisten Vorwürfen handelt es sich eher um Kleinigkeiten. Sie verkaufte, so der Staatsanwalt, im Internet eine Märklin-Modelleisenbahn für 200 Euro, wollte die aber nicht liefern. Sie mietete eine Wohnung an der Feldstraße und zog ein, bezahlte aber monatelang keinen Cent an die Vermieter. Auf den Namen ihrer Mutter schloss die Frau einen Versicherungsvertrag ab, bediente ihn aber nicht.

Zwischendurch, heißt es in der Anklage, fuhr die junge Frau gerne auch mit Leihwagen durch die Gegend. Doch auf die Bezahlung der Mietgebühren warten die Verleiher in drei Fällen heute noch. Außerdem überzog die Lüdenscheiderin die Rückgabefristen, manchmal um mehrere Wochen.

Einmal nutzte sie einen Opel Adam 27 Tage lang. Der Vermieter stöberte den Wagen auf und holte ihn mit einem Zweitschlüssel in seinen Fahrzeugpark zurück. Allein bei dieser Geschichte wurde der Autoverleiher um 680 Euro geprellt.

Der dickste Brocken, den der Staatsanwalt auspackt, ist der Vorwurf, die Angeklagte habe das Jobcenter geleimt. Von Februar 2017 bis Januar 2018 bezog sie Leistungen zur Grundsicherung, weil sie in ihrem Antrag angegeben hatte, alleinerziehend zu sein.

In Wahrheit lebte ihr damaliger Ehemann mit in der gemeinsamen Wohnung. Das Jobcenter überwies seiner Kundin Geld, das ihr nicht zustand – insgesamt 14 899,88 Euro.

Richter in Lüdenscheid sieht „zu viele Missverständnisse“

Strafverteidiger Dominik Petereit leistet ein hartes Stück Arbeit. In einem Verständigungsgespräch mit Strafrichter Andreas Lyra und dem Staatsanwalt erreicht der Rechtsanwalt einen Teilerfolg für seine Mandantin: Die Verfahren wegen der kleineren Betrügereien werden eingestellt.

Im Fall der Gaunerei zu Lasten des Jobcenters, so hatten die Juristen es vereinbart, legt die 36-Jährige ein umfassendes Geständnis ab.

Im Ermittlungsverfahren hatte sich die Lüdenscheiderin offenbar auf Irrtümer und Missverständnisse berufen und geglaubt, die Justiz übertölpeln zu können. Doch Richter Lyra sagt: „Ein Missverständnis mag es geben, ein weiteres ist schon weniger wahrscheinlich. Aber an so viele Missverständnisse glaube ich nicht.“ In der Lebensphase, in der sie gelogen und betrogen hat, sei „wohl einiges aus den Fugen geraten“, so der Strafrichter.

Die hohe Schadenssumme, für die letztlich die Gesellschaft aufkommen müsse, und die offenkundige „Dreistigkeit“ der Angeklagten rechtfertigen laut Andreas Lyra die Konsequenz im Urteil: ein Jahr Gefängnis auf Bewährung. Eine richterliche Ermahnung zum Schluss: „Ich kann nur hoffen, dass Sie aus diesen Geschichten gelernt haben.“

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