Ampelanlagen, Parks, Schulen, Wohngegenden und Knotenpunkte

Verkehrsexperten schauen genau hin, wo Fußgänger ins Stolpern geraten

Lüdenscheid Innenstadt Stolperfallen Begehung
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An markanten Stationen machten die Gruppen Halt, über sich auszutauschen und Probleme anzusprechen.

„Der Fußverkehr war bisher immer ‚unterbelichtet‘.“ Mit dem Ziel, dies zu ändern und Lüdenscheid zu einer fußgängerfreundlichen Stadt zu machen, nahm das Planungsbüro Via (Köln) – vom Zukunftsnetzwerk Mobilität NRW mit der Begleitung des Fußverkehrs-Checks 2020 in Lüdenscheid betraut – mit Vertretern aus Verwaltung, Politik, Verbänden und der Bürgerschaft die Situation der Fußgänger vor Ort bei zwei Begehungen der Innenstadt in den Blick.

Lüdenscheid – Lüdenscheid gehöre zu den zwölf Städten, die das Zukunftsnetzwerk Mobilität in diesem Jahr dabei unterstützt, die Aufenthaltsqualität in der Innenstadt zu verbessern, schickte die Verkehrsplanerin Andrea Fromberg (Via) den Rundgängen einführend voraus. Gemeinsam mit ihren Kollegen Jörg Thiemann-Linden und Kathrin Krienke nahm sie die Anregungen, Eindrücke, Probleme und Verbesserungsvorschläge der Teilnehmer auf. Seitens des Zukunftsnetzwerks Mobilität, das den Fußverkehrs-Check fördert, waren Wiebke Weltring und Franca Börsch zugegen. Als Ansprechpartnerin bei der Stadt gab Nina Niggemann-Schulte vom Fachdienst Verkehrsplanung und -lenkung den Teilnehmern ergänzende Infos zu den Baumaßnahmen in der Altstadt an die Hand.

Neuralgische Punkte – Ampelanlagen, Parks, Schulen, Wohngegenden und Knotenpunkte – nahmen die beiden Gruppen, die am Vor- und Nachmittag die Innenstadt auf unterschiedlichen Routen unter dem Kriterium der Fußgängerfreundlichkeit erkundeten, in Augenschein. Die erste (kürzere) Strecke, die vom Sternplatz zum Brighouse-Park, weiter zum Kulturhaus-Park, zur Kreuzung Schillerstraße/Freiherr-vom-Stein-Straße und zum Rosengarten führte, schloss auf vielfachen Wunsch die Verbindung vom Sternplatz zum Sauerland-Center ein.

Die zweite, deutlich längere Etappe rückte darüber hinaus die Fußgängersituation an den Staberger Gymnasien und an der Pestalozzi-Schule, am Loher Wäldchen und den Übergang zur Wilhelmstraße in den Fokus.

Gleichsam als „Alltagsexperten“, deren Erfahrungen als Fußgänger wichtig für die Erarbeitung von Lösungs- und Verbesserungsvorschlägen waren, brachten sich die Lüdenscheider in die Bestandsaufnahme der Planer ein. Da die Gruppen unterschiedlich zusammengesetzt waren, kamen sowohl Ältere als auch Jüngere zu Wort. Als „super Mischung“ bezeichnete Andrea Fromberg die jeweilige Konstellation.

Für den Kulturhauspark hatte Manfred Linek ein ansprechendes, mit Beifall quittiertes Konzept erarbeitet. Unter anderem brachte er eine „grüne Schlange“, die die Grünflächen verbindet, ins Spiel.

Mit einer „Abfolge von Schwierigkeiten“ bekam es die Vormittagsgruppe gleich zu Beginn ihres Rundgangs auf der Verbindungsstrecke Sternplatz/Sauerlandcenter zu tun. Als Stichworte standen im Raum: sehr verwinkelt, nicht einsehbar, zu hohe Steigung, Treppen, die nicht zu umgehen sind. Mit Blick auf das Jobcenter, das ins Sauerland-Center zieht, sei dies „ein dickes Brett, das wir bohren müssen“, konstatierte die Verkehrsplanerin. Die Treppe ganz zu entfernen und Fußgänger über die Sauerfeld-Unterführung dorthin zu leiten, kam als Anregung aus der Bürgerschaft.

Fußverkehrs-Check in Lüdenscheid

Fußverkehrs-Check in Lüdenscheid

Größere Anzeigen für Busse, ergänzt um akustische Signale, wünschten sich Josef Küppers und Markus Pfeifer vom Blinden- und Sehbehindertenverein am Sauerfeld ZOB. Der grobkörnige Belag im Brighouse-Park („Schwierig für Menschen mit Rollator“) stand ebenso in der Kritik wie zu schmale Gehwege an der Paulinenstraße und zu kurze Grünphasen für Fußgänger an Ampelschaltungen. Für den Kulturhauspark hatte Manfred Linek ein ansprechendes Konzept erarbeitet, das im Kern auf eine klare Wegeführung und eine „grüne Schlange“, die Grünanlagen verbinden würde, abzielte. Eine „weiche Fußgängerzone“ empfahlen die Planer für die Ecke Schillerstraße („Suboptimal für Fußgänger“), was hieß: die Qualität der Fußgängerzone verlängern, aber auch für Autos zulassen.

Beim zweiten Rundgang rückte die problematische Fußgängersituation an den Schulen ins Zentrum der Betrachtungen. Als „sehr schwierige Situation“ bezeichnete Sebastian Wagemeyer, Schulleiter des Zeppelin-Gymnasiums, dabei die Verkehrslage an den Staberger Gymnasien. „Die Verkehrssituation ist nicht ungefährlich“, beklagte er. Durch Corona würden mehr Kinder als sonst von ihren Eltern zur Schule gebracht. An der Pestalozzi-Schule „stolperten“ die Teilnehmer über teilweise noch mit Kanten ausgestattete Gehwege. Die Empfehlung der Planer: differenzierte Bordhöhen mit Nullabsenkung für Rollstuhlfahrer und Tastkanten für Sehbehinderte. Als mögliche Lösung der schwierigen Gehwegsituation am Loher Wäldchen fiel das Stichwort „Gehwegnasen“. „Am besten nur auf einer Seite parken.“

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