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Stimmung wie vor der Pandemie und ohne Maske: Die Sorgen der Impflinge

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Von: Thilo Kortmann

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Warteschlange am Impfbus auf dem Sternplatz.
Warteschlange am Impfbus auf dem Sternplatz. © Thilo Kortmann

Lüdenscheid – Marco Klocke wartet am Impfbus auf dem Sternplatz. Es ist 10 Uhr am Mittwochmorgen. Die Sonne scheint. Er trägt ein Achsel-Shirt. Das ist praktisch, da ist der Oberarm für die Spritze gleich frei. Der Lüdenscheider braucht die vierte Impfung. Er möchte im Altenheim zunächst ein Praktikum absolvieren und anschließend eine Arbeitsstelle antreten. „Meine Chefin empfiehlt für alle Angestellten eine vierte Impfung.“ Jetzt wartet er auf das Okay. „Der Arzt wird mir gleich sagen, ob ich meinen zweiten Booster bekommen darf“, sagt der 35-Jährige.

Reger Andrang herrscht an der mobilen Impfstation gleich zu Beginn der Impfaktion auf dem Sternplatz. Die acht Mitarbeiter der koordinierenden Covid-Impfeinheit – sieben Helfer plus ein Arzt – haben gleich alle Hände voll zu tun. Eine kleine Warteschlange mit gut fünf Menschen hat sich gebildet.

Heide Sarafzade lässt sich mit Biontech impfen.
Heide Sarafzade lässt sich mit Biontech impfen. © Thilo Kortmann

Ich möchte mich und andere Menschen weiterhin vor Corona schützen.

Heide Sarafzade, 81-jährige Rentnerin

Hier und jetzt ist keine Spur von Impfmüdigkeit. Zumindest was die älteren und kranken Menschen betrifft. Viele Senioren möchten sich und andere vor einer Corona- Erkrankung bewahren. Das Virus ist noch in den Köpfen. Auch wenn mittlerweile sehr viele Menschen an das Virus nicht mehr denken, ohne Atemschutzmaske in der Innenstadt herumlaufen, ohne Abstand zu halten und auf dem Wochenmarkt und im Sterncenter eine Stimmung herrscht wie vor der Pandemie. Auch am Impfbus laufen viele Menschen ohne Maske dicht vorbei. Menschen, die in der City shoppen, Mittagspause machen oder den Wochenmarkt besuchen.

Frank Schliwinski hat COPD. Er gehört zur Risikogruppe.
Frank Schliwinski hat COPD. Er gehört zur Risikogruppe. © Thilo Kortmann

Und trotzdem: Es gibt noch Menschen, die auf andere achten möchten. So wie Heide Sarafzade. „Ich möchte mich und andere Menschen weiterhin vor Corona schützen“, sagt die 81-jährige Lüdenscheiderin. Sie ist zufällig auf das Angebot des Impfbusses gestoßen. Es ist ihre erste Spritze in dem Mobil. „Ich brauche meine vierte Impfung. Der Bus ist praktisch. Ich hatte eigentlich nicht vor, mich heute impfen zu lassen“, sagt sie und lächelt. Zuvor hat sie sich im Impfzentrum und beim Hausarzt immunisieren lassen. Ihr bevorzugter Impfstoff ist Biontech (Comirnaty) von den insgesamt drei zur Auswahl stehenden: die anderen sind Novavax (Spikevax) und das Covid-19-Vakzin von Moderna. „Ich weiß, worauf Biontech basiert. Er ist mir am liebsten“, sagt die Seniorin, die sich in ihrem Leben schon immer viel mit Biologie beschäftigt hat.

Für mich kommen die Lockerungen zu früh.

Frank Schliwinski aus Lüdenscheid.

Unterdessen hat sich die Warteschlange auf etwa 15 Menschen vergrößert. Das große Interesse an einer Impfung sorgt bei einigen Lüdenscheidern für Verwunderung. „Ich bin überrascht, dass ich so lange warten muss“, sagt André Wingenbach. Der 50-Jährige wartet auf die dritte Impfung.

Trotz der vielen Lockerungen, dem fast kompletten Aufheben der Einschränkungen, gibt es immer noch Interesse am Schutz vor dem Virus.

Auch bei Frank Schliwinski sorgt der rege Andrang für eine positive Verwunderung. Für Frank Schliwinski ist der Coronaschutz nicht nur wichtig, sie kann sein Leben retten. Der 57-Jährige leidet an der chronischen Lungenerkrankung COPD. „Für mich kommen die Lockerungen viel zu früh“, sagt er im Hinblick auf die vielen Menschen ohne Atemschutzmaske in der Innenstadt, die zudem kaum noch Abstand halten. Für ihn ist ein Besuch der Einkaufsstraße deshalb besonders gefährlich. Schliwinski ist ganz spontan auf das Impfmobil in Lüdenscheid gestoßen. „Ich bin sogar extra noch mal nach Hause gefahren, um meinen Impfausweis und Unterlagen zu holen“, sagt er. Zuvor war der Lüdenscheider für den Schutz gegen Corona zwei Mal in der Lüdenscheider Schützenhalle, als die zum Impfzentrum umgewandelt worden war.

Marco Klocke braucht die Impfung für den Job.
Marco Klocke braucht die Impfung für den Job. © Thilo Kortmann

Zu den Menschen mit Vorerkrankungen, die besonders dankbar über das Impfangebot sind, gehört auch Peter Haase. Der 58-jährige Risikopatient erlitt vor einem Jahr einen Schlaganfall. Der Herscheider ist froh, dass es den Impfbus gibt. Die beiden ersten Impfungen bekam er beim Hausarzt. Nummer drei im Bus, der mobile Impfstation ist. So nun auch der vierte kleine Stich, der für ihn so wichtig ist, ihm das Leben bewahren kann.

Impfung für den Besuch im Krankenhaus

Weniger eigene körperliche Beschwerden sind die Impfmotivation für Richard Badian, sondern die Freiheitseinschränkungen beim Krankenhausbesuch. Der 67-jährige Lüdenscheider holt sich seine dritte Impfung, um ohne Test einen Bekannten im Krankenhaus besuchen zu können. Geboosterte Besucher müssen sich im Krankenhaus seit April nicht mehr testen lassen. „Ich bin letztens nicht zu meinem Bekannten ins Krankenhaus gekommen, weil ich kein Testergebnis dabei hatte“, erzählt der Rentner, während Marco Klocke die Botschaft vom Arzt erhalten hat. Mit der vierten Impfung wird es nichts mehr an diesem sonnigen Mittwochmorgen. Er muss sogar noch etwas länger warten. „Meine erste Boosterung ist leider noch zu jung. Am 15. Dezember 2021 gab es die dritte Impfung“, sagt er, während er den gelben Impfausweis zeigt. „Sechs Monate muss man warten bis zur vierten“, fügt er hinzu. Also noch rund zwei Monate warten. Und der Job? „Der ist dadurch nicht in Gefahr“, sagt er . Aber ärgerlich sei es schon, dass er noch ein wenig auf die zweite Boosterung warten müsse, um im Altenheim arbeiten zu können. Negative Auswirkungen für seine berufliche Zukunft habe das aber keine, ergänzt Marco Klocke.

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