Stimmgewaltige Aufführung des „Messias“

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Eindrucksvoll: das Händel-Oratorium. ▪

LÜDENSCHEID – Nur 22 Tage brauchte Georg Friedrich Händel, um sein Oratorium „Der Messias“ im Jahre 1741 fertigzustellen. Umso wegweisender ist das entstandene Werk, das am Samstag in einer Fassung des Lüdenscheider Vokalensembles unter der Leitung von Mary Sherburne in der Erlöserkirche zu hören war. Der Publikumszuspruch war enorm – lediglich auf der Empore waren noch Plätze frei.

Neben dem Vokalensemble stand das Orchester des „Consortium Musica Sacra“ aus Köln auf der Bühne, dessen Musiker auf historischen Instrumenten spielten, sowie die Gesangssolisten Rachel Nicholls (Sopran), James Laing (Altus), Andreas Post (Tenor) und Dominik Woerner (Baß). Das gut zweieinhalbstündige Oratorium erzählt in drei Teilen die christliche Heilsgeschichte vom Warten auf Christus mit den Verheißungen der Propheten im Alten Testament über Jesu Leben, Leiden und Sterben bis zu seiner Auferstehung und folgt dem Gang des Kirchenjahres. Charles Jennens, der das Libretto für „Der Messias“ verfasste, folgt dabei nicht wie in vielen anderen Passions- und Weihnachtsmusiken üblich, einer Handlung, sondern gibt dem Werk einen meditativen Rahmen, der Raum für Dramatik und prächtige Chöre lässt.

Voluminös, gewaltig und stimmlich facettenreich startete Tenor Andreas Post die Aufführung, wobei dem Rezitativ eine harmonische Chorpassage folgte. Eine Offenbarung an stimmlicher Farbigkeit war Altus James Laing, der zu den derzeit führenden Sängern der jungen Generation von Countertenören in England gehört. Insbesondere zu Beginn der Aufführung sorgte seine außergewöhnliche Stimme für klangliche Höhepunkte des Abends, zum Beispiel im Rahmen der Arien-Passagen mit Bibelversen aus „Maleachi“ und „Jesaija“ (zum Teil mit Chorbegleitung). Mit großer stimmlicher Klarheit überzeugte Dominik Woerner (Baß), während Sopranistin Rachel Nicholls mit Brillanz zahlreiche Arien klanglich erstrahlen lies. Das Vokalensemble bewies Klangstärke und Vielseitigkeit. Dramatik vermittelten die Sängerinnen und Sänger gekonnt im zweiten Teil beim Chorpart mit Versen aus „Jesaja 53“, Fröhlichkeit und Frische kennzeichnete den Chorpart „Machet die Tore weit“. Einer der Höhepunkte und wohl bekanntester Bestandteil des Oratoriums ist das „Halleluja“ im zweiten Teil, eine bombastische Chor-Passage, die das Vokalensemble mit Wucht und Stimmgewalt zu Gehör brachte.

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