Stifte, Stäbchen, Schutzkleidung:

Schulen im MK bereiten sich auf Testpflicht und Distanzunterricht vor

Gesamtschul-Leiter Frank Bisterfeld hat die Kartons mit den Selbsttests bekommen und bereits sortiert. Auch jeder Lehrer bekommt seine Schutzausrüstung.
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Gesamtschul-Leiter Frank Bisterfeld hat die Kartons mit den Selbsttests bekommen und den ersten Schwung bereits sortiert. Auch jeder Lehrer bekommt seine Schutzausrüstung.

Die Theorie aus dem NRW-Schulministerium sieht eine Rückkehr in den Distanzunterricht nach den Osterferien vor – zunächst für eine Woche. In der Praxis allerdings beleben ab Montag vor allem die Schüler aus den Abschlussklassen trotzdem die Schulen. Dazu kommt eine Notbetreuung für die Klassen 1 bis 6. Es herrscht also trotz allem Betrieb. Und ein Risiko.

Lüdenscheid - Dazu kommt die Testpflicht für Schüler, Lehrer und Personal. Wie viel durchaus kostbare Unterrichtszeit das fressen wird – die Lehrer wissen es nicht. Die Verunsicherung ist spürbar, ebenso das Gefühl, mal wieder im Stich gelassen zu werden mit einer Fülle von Aufgaben.

„Es müsste nicht alles so kurzfristig sein“, meint Bettina Göldner (Grundschule Wehberg) zu der am Donnerstag mitgeteilten Marschrichtung. „Die Eltern müssen sich doch auch darauf einstellen. Es hängt so viel dran“, sagt sie. Und: „Man wird am laufenden Band ins kalte Wasser geworfen.“

Natürlich stünden die unterschiedlichen Konzepte. Distanzunterricht sei im Großen und Ganzen gut gelaufen, aber er sei deutlich aufwendiger: „Wir sind im Stoff nicht zurück; man braucht jetzt kein Schuljahr ausfallen zu lassen.“ Nur ein Teil der notwendigen Selbsttests sei bislang geliefert worden, dafür sind die Bedenken da: „Wir wissen noch nicht, wie das funktionieren soll, wenn sich kleine Kinder ein Stäbchen in die Nase stecken.“ Auf jeden Fall werde es Zeit kosten: „Eine Unterrichtsstunde wird wohl draufgehen, bis 30 Erstklässler getestet sind.“

Auch am Zeppelin-Gymnasium wird gerechnet, denn für die Abschlussklassen in den weiterführenden Schulen ist Präsenzunterricht möglich. Das Testen habe man geprobt, sagt der kommissarische Schulleiter René Jaques. Wenn man zügig arbeite, gehe das auch schneller. Die Abläufe, dann eine Viertelstunde warten aufs Testergebnis – „klar, ein bisschen Unterrichtszeit wird’s kosten, aber es ist ein Gewinn für die Schule“, ist er überzeugt. Ausreichend Tests lägen vor. Seine Hauptsorge gilt im Moment den Abi-Prüfungen. „Das hat Priorität. Es wäre schade, wenn durch voreilige Öffnung die Prüfungen torpediert werden.“ Dazu kommt: „Wir fahren mit Distanzunterricht nicht so ganz schlecht.“ Klar sei aber auch, dass gerade die kleineren Kinder ein dringendes Bedürfnis hätten, wieder in die Schule zurückzukommen.

„Tücke liegt im Detail“

„Natürlich vernünftig,“ kommentiert Dieter Utsch, Schulleiter des Bergstadt-Gymnasiums, die Entscheidung, „aber die Tücke liegt im Detail.“ Aufgaben würden in die Schulen verlagert, aber die Leute fehlten: „Bekomme ich jetzt zusätzliches Personal, etwa aus den Jugendzentren, die gerade geschlossen sind“, fragt er. Und noch etwas findet er empörend: „dass gar nicht die Rede davon ist, Lehrer weiterführender Schulen zu impfen. Das ist fahrlässig. Dabei gäbe es Sicherheit und wäre auch ein Signal der Wertschätzung.“

„Es ist ungeheuerlich“, findet Frank Bisterfeld, Schulleiter der Adolf-Reichwein-Gesamtschule, „dass die Abschlussklassen in die Schule kommen sollen.“ Bei einer Inzidenz von 365 wie am Freitag sei das Risiko viel zu hoch. Für seine Schule rechnet er allein wegen der unterschiedlichen Abschlüsse mit ca. 160 Schülern am Tag. Das Risiko findet er unnötig: „Der Distanzunterricht läuft doch. Dann soll man doch, verflixt noch mal, die Schulen ganz schließen.“ Trotzdem sieht er sich gut vorbereitet – von der Schutzausrüstung fürs Kollegium bis hin zur klassenweisen Aufteilung der Tests. Für die Abiturienten will er nun noch ein eigenes „Testzenttrum“ einrichten, damit auch hier das Ansteckungsrisiko minimiert wird. Zum Lieferpaket für die Schulen gehören im Übrigen auch berührungslose Fieberthermometer zur Wandbefestigung. In der Gesamtschule hängen die neuen „Temperaturanzeiger“ bereits.

Doch nicht nur unterrichtsfremdes Material wird geliefert. Schulen freuen sich inzwischen auch über die lange bestellten Tablets, die bedürftigen Schülern die Teilnahme am Distanzunterricht ermöglichen sollen. Doch damit ist es wie mit vielen Corona-Maßnahmen: Ein Problem wird gelöst, ein weiteres entsteht. „Wem sollen wir die denn nun geben“, fragt beispielsweise Bettina Göldner: „Wir haben ja gar keine Kenntnisse über die finanziellen Verhältnisse der Eltern.“ Auch das wird sich irgendwie klären lassen, ist sie überzeugt. So viele Lösungswege hat man schließlich im Laufe eines Jahres schon finden müssen. Zugleich bringt sie die vorherrschende Stimmung unter Schülern, Eltern und Lehrern auf den Punkt: „Ich wär’ schon nicht unglücklich, wenn wir mal wieder Normalbetrieb hätten.“

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