Stieftochter vergewaltigt - Neun Jahre Haft

LÜDENSCHEID/HAGEN - In Hagen ist ein zermürbender Vergewaltigungsprozess zu Ende gegangen. Nach drei Monaten Prozessdauer und vielen Gutachten und Gegengutachten sah das Landgericht es als erwiesen an, dass ein 37-Jähriger seine Stieftochter in Lüdenscheid schwer missbraucht hat.

Der Mann muss für neun Jahre ins Gefängnis. Bis zuletzt hat der Angeklagte den Missbrauch an seiner damals 16-jährigen Stieftochter bestritten. Sie hatte ausgesagt, ihr Stiefvater habe sie mehrmals vergewaltigt. Die Taten ereigneten sich unter anderem in einem Lüdenscheider Waldstück, wo er sie mit einem Messer bedrohte und sich dann an ihr verging.

Insgesamt vier Taten berichtete sie vor Gericht. Alles gelogen, behauptete der Angeklagte. Sie habe ihn einmal verführt und die Vergewaltigung vorgetäuscht, um ihm zu schaden. Die anderen Vorfälle leugnete er. Das Gericht war anderer Auffassung. „Die Aussage des Angeklagten ist in wesentlichen Teilen durch die Beweisaufnahme widerlegt“, sagte Richter Marcus Teich in der Urteilsbegründung.

Für das Gericht war klar, wie das zunächst harmonische Familienleben langsam zerbrach. Während ihrer Pubertät habe das Mädchen mehr und mehr „aufgemuckt“ und sich nicht mehr den strengen Moralvorstellungen seines Stiefvaters beugen wollen. In höchstem Maße missbilligte der nach eigenen Angaben streng gläubige Mann die zum Teil sexuellen Beziehungen der Stieftochter zu Jungen ihres Alters. Die Spannungen wurden so stark, dass das Mädchen die Familie verlassen wollte.

Im Juni 2011 vergewaltigte er die damals 16-jährige aus Wut. Danach kam es immer wieder zu Übergriffen in einem leerstehenden Gastronomiebetrieb in Lüdenscheid, der dem Mann gehörte. So hatte es das Mädchen vor Gericht ausgesagt. Die Aussagen der 17-Jährigen seien detailreich und konstant gewesen. Auch habe sie in ihren Aussagen keinerlei Tendenz gezeigt, den Mann unnötig belasten zu wollen.

„Wir haben keine Zweifel an den Aussagen des Mädchens“, betonte Marcus Teich. Die Verteidigung erwägt, gegen das Urteil Revision einzulegen. Verteidigerin Sonka Mehner-Heurs sagte nach dem Prozess: „Man muss sich ein eigenes Bild machen, wem man glaubt. Wir haben den Angeklagten in vielen Gesprächen ganz anders kennengelernt.“ - my

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