Stern-Center: Wöchentlich neue Hausverbote

LÜDENSCHEID ▪ Der 16-jährige Yener war offenbar zur falschen Zeit am falschen Ort: Als er am 29. Januar von den Sicherheitsleuten des Stern-Centers einer Gruppe von „25 bis 30 Jugendlichen“ zugeordnet und des Hauses verwiesen wurde, war er sich keiner Schuld bewusst, wie er versichert.

Dass der 16-Jährige dazu vermutlich guten Grund hatte, bestätigt auch Center-Sicherheitschef Jörg Reinirkens: Zwei bis drei andere Jugendliche seien an diesem Tag wegen mutwilliger Sachbeschädigung und „Randale“ von der zur Hilfe gerufenen Polizei mitgenommen worden. Gegen Yener gebe es jedoch keinen konkreten Tatvorwurf, räumt Reinirkens ein. „Er hat einfach die Anweisung des Wachdienstes nicht befolgt.“

Der nämlich schmiss die gesamte Gruppe aus dem Stern-Center und verbot allen für diesen Tag die Rückkehr. Der 16-Jährige hielt sich nicht an die Anweisung, die er als ungerecht empfand, und betrat das Stern-Center erneut durch einen anderen Eingang. So nahm das Unglück seinen Lauf: Er wurde vom Sicherheitspersonal des Stern-Centers gestellt und bei der Polizei angezeigt. Die Staatsanwaltschaft Hagen stellte das Verfahren wegen „Hausfriedensbruchs“ kurz darauf wegen Geringfügigkeit ein – nicht ohne das gezeigte Verhalten zu „rügen“. Das Stern-Center reagierte mit seinen Mitteln und verhängte ein zweijähriges Hausverbot für den jungen Mann. „Mein Sohn hat das nicht ernst genommen, das Center zu verlassen, weil er sich nichts hat zuschulden kommen lassen“, erklärt Yeners Mutter das Verhalten ihres Sohnes. Sie versuchte es daraufhin auf dem Gnadenweg und erreichte, dass Yener das Stern-Center in ihrer Begleitung betreten durfte. Dann müsse sie eben bei Bedarf vor der Toilette warten, bis ihr Sohn wieder herauskomme, erklärte Jörg Reinirkens gegenüber den LN. Dem 16-Jährigen leuchtete ein solches „An-die-Kette-genommen-sein“ nicht ein. Als er erneut ohne seine Mutter im Center angetroffen wurde, reagierten die Sicherheitsbehörden mit einer Erneuerung des rigorosen Hausverbotes für zwei Jahre. „Ob er schuldig ist oder nicht – er hat sich im Umfeld einer randalierenden Gruppe bewegt“, rechtfertigt Jörg Reinirkens den Ausschluss.

Center-Managerin Alexandra Oeser begründet die Vorgehensweise mit dem zunehmenden Vandalismus im Stern-Center, der erhebliche Kosten verursache. „Ich unterschreibe einiges an Hausverboten“, berichtet sie und präzisiert: „wöchentlich“.

Der Delinquent braucht nun vor allem Geduld. Im Januar 2013 darf er das Center wieder betreten. „Aber dann ist er 18, hat seinen Führerschein und kann in Hagen einkaufen fahren“, scherzt seine Mutter. ▪ thk

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