Schlecht fürs Klima

"Am Ende steht ein Verbot": Stadt im MK will Steingärten verbannen

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Mit Blumen und Gräsern gegen den Klimawandel: So grün wie auf dieser Verkehrsinsel an der Christuskirche soll es nach dem Willen der Stadt künftig an vielen Stellen in der Stadt aussehen.

Lüdenscheid - 38 Grad in Sibirien, ausgetrocknete Wälder in Deutschland, Insektensterben weltweit – die Nachrichten zur Klima- und Umweltzerstörung überschlagen sich in jüngerer Vergangenheit regelrecht. Vor diesem Hintergrund hat die Stadt Lüdenscheid voriges Jahr bekanntlich ein Klimaschutzpaket mit knapp 60 Einzelmaßnahmen auf den Weg gebracht. Die sehen künftig etwa Dachbegrünungen, energetische Sanierungen sowie mehr Fahrrad- und Elektro-Verkehr in der Kommune vor.

Eine der Vorgaben dabei, die die Bürger ganz direkt betreffen dürfte: die Verbannung sogenannter Steingärten aus dem Stadtbild. Warum das? Weil die durch viel Stein und Schotter, aber wenig bis keine Blumen und Grünpflanzen geprägten Gartenanlagen als versiegelte Hitzeinseln gelten, die keine Nische mehr für Insekten, Mäuse, Igel oder Frösche lassen und im kleinen Maßstab Klimaerwärmung wie Artenschwund begünstigen.

So jedenfalls argumentieren Vertreter vom Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) und vom Naturschutzbund Deutschland (Nabu) bereits seit Langem – sie fordern eine naturnahe Gestaltung von privaten und öffentlichen Gärten. Pflanzenpracht statt Betoncharme sozusagen Stellt sich die Frage, ob die Stadt da selbst bereits als Vorbild vorangeht und etwa die zahlreichen Verkehrsinseln und schmalen Grünstreifen im Stadtgebiet nach ökologisch Kriterien modelliert.

Ja, findet Hans Jürgen Badziura als Leiter des städtischen Fachdiensts Umweltschutz und Freiraum. Er verweist auf die gleich mehreren Inseln vor der Christuskirche, wo in der Tat inzwischen auffällig viele Gräser und Blumen sprießen. Ähnlich bunt soll es bald auch im Mündungsbereich von oberer Altenaer Straße und Bahnhofstraße ausschauen. Das Grün dort ist ebenfalls gesetzt, wirkt im Vergleich zur Bepflanzung an der Christuskirche aber noch eher bescheiden.

Dazu Badziura: „Im Moment mag das noch etwas schroff aussehen, schon bald wird das aber alles heranwachsen und blühen.“ Und so farbenfroh und naturnah solle es an anderen Stellen in der Stadt weitergehen. Auch am Oeneking. Die sichtlich noch recht junge Bepflanzung auf den Straßenquerungen und Verkehrsinseln entlang der Germanenstraße macht allerdings zumindest auf den botanischen Laien im Augenblick womöglich noch einen leicht kargen und monokulturartigen Eindruck.

Für private Steingarten-Besitzer in Lüdenscheid dürfte es unterdessen langsam ernst werden. Dazu sagt Hans Jürgen Badziura: „Wir arbeiten bei uns im Fachdienst derzeit an einer Broschüre zum Thema.“ Das Info-Heftchen soll die Steingärten und ihre Folgen ins Visier nehmen und die städtischen Absichten erläutern. Die Zielrichtung ist dabei klar.

Noch einmal Badziura: „Es geht darum, auf den unökologischen Wert und die Klimafeindlichkeit der Steingärten hinzuweisen und deren Zahl zu verringern. Am Ende steht dann ein Verbot.“

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