„Ich bin mir sicher, dass ihr dieses Lied kennt“

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Hannes Wader sang im Lüdenscheider Kulturhaus.

Lüdenscheid - Er kann es noch: Mehr als zwei Stunden stand Hannes Wader vor seinem Publikum im Kulturhaus, und am Ende stand das Publikum Beifall spendend vor Hannes Wader. „Ich bin mir sicher, dass ihr dieses Lied kennt“, hatte er sich vor der letzten Zugabe verabschiedet: „Sag mir, wo die Blumen sind“.

Von Thomas Krumm

1982 hatte der Sänger seine Version des Klassikers auf Schallplatte pressen lassen: „Dass nichts bleibt wie es war“, lautete deren Titel, und Hannes Wader sang sein „Heute hier, morgen dort“ gleich zu Anfang des Konzertes. So kannte man ihn seit Jahrzehnten. Und passend zur Devise eines Rastlosen erzählte er wilde Geschichten aus einem Hotel in Portland: „1000 Meilen hast du heute schon hinter dich gebracht“.

Einen Ausflug nach Irland würzte er mit einem dazugehörigen Volkslied und tröstete sich: „Vorbei ist vorbei, doch bleibt die Erinnerung“. Hat der Kämpfer irgendetwas zu bedauern? „Solltet ihr mir nicht verzeihen wollen, muss ich mir eben selbst verzeihen“, schlug er eine elegante Lösung vor. Und dann tauchte der einstige Sozialkämpfer und Gesellschaftskritiker unvermittelt doch noch auf und plauderte über den, der für einen Mindestlohn Zwiebelringe in der Kantine schneidet. Das Gewicht der Oberschicht laste noch immer auf allen anderen. „Sonst wäre sie nicht die Ober-, sondern eine Neben- oder Seitenschicht.“ Und auch, wenn es kein Zurück in die Gosse gebe, so solle doch keiner glauben, er könne sich über seine Herkunft erheben. Das berühmte Lied „Die Gedanken sind frei“ erinnerte an die Vorkämpfer für Demokratie und Freiheit im 19. Jahrhundert. Die Abgründe der Geschichte fand Hannes Wader in der bäuerlichen Idylle genauso wie den Missklang eines Herzens in einem Liebeslied.

Ein Wort zieht sich durch viele Texte: „Freunde“. Jene in Griechenland, die Hannes Wader zu einer Zeit willkommen hießen, „als das mediterrane Leben noch intakt war“, und jene, die Georges Brassens einst besang: „Les copains d’abord“. Das Alter bringt es mit sich, dass die Gefährten nach und nach abnehmen: „Ich habe das Gefühl, dass immer mehr Freunde aus meiner Umgebung mich verlassen“, beklagt der Sänger und macht aus dem Verlust ein Lied. Sterben müssen eines Tages jedoch nicht nur die anderen, und so singt der Barde ein Lied über die Auseinandersetzung mit dem Tod: „Mit der Unendlichkeit gedanklich mich zu befassen, wird jetzt langsam Zeit.“ Der gescheiterte Selbstmörder Robespierre, Selbstmörder in Japan – Tabus stellt Hannes Wader eher bei anderen in deren fehlenden Reden über die Sterblichkeit fest. Für sein eigenes Ende hat er bereits Wünsche: „Singen ist mein Leben. Singend will ich auch sterben – muss dafür aber nicht unbedingt auf einer Bühne stehen.“ Und auch einen Wunsch für seinen Grabstein hat er bereits: „Auf ihm soll mein Name eingemeißelt sein, und es sollen meine Fans meine Gruft wiederfinden.“ Ungern, möchte man dem Liedermacher erwidern, doch es mag eines Tages nichts Anderes mehr übrigbleiben. Doch vorher gibt es hoffentlich noch ein Wiedersehen und Wiederhören: „Bis zum nächsten Mal in Lüdenscheid, und nicht erst in 15 Jahren.“

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