„Ich bin an Freunden reich“

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Frederike Gramm als Timandra – einsam und verbittert.

Lüdenscheid - Wahrlich kein leichtes Stück, das sich das BGL-Ensemble „bretterhaus“ da für seine Jahresproduktion ausgesucht hatte: „Timon von Athen“ ist von Shakespeare, wenig bekannt, wenig gespielt. Für die Produktion des Ensembles wurde aus Timon eine Timandra, was der Brisanz des Stückes, das da am Dienstagabend im Kulturhaus zu sehen war, keinen Abbruch tat.

Großzügig beschenkt Timandra ihre Freunde, gibt Feste, erwirbt schlechte Bilder, kauft den Freund aus dem Gefängnis frei. Und dann, als das Geld verbraucht ist, stellt sie fest, dass es nur falsche Freunde waren, die sich um sie scharten. Verbittert flieht sie in den Wald und ergibt sich ihrem Hass auf die Menschen. „Ich bin an Freunden reich“ sagt sie, und muss doch feststellen, dass das nicht so ist.

Zeitweilig wäre das Fallen einer Stecknadel im großen Saal zu hören gewesen. Frederike Gramm in der Rolle der Timandra vermochte von Beginn an, vor allem aber in der zweiten Spielphase zu fesseln. Großartige Schauspieler agierten da auf der Bühne, zunächst zögerlich, aber dann spielten sie sich frei, nutzten den Zuschauerraum, standen minutenlang wie eingefroren da. Das Licht trennte die Szenen, laute Musik, die Kostümierung irgendwo zwischen Shakespeare, Hippie und Jazztanz.

Am Ende gab es stehende Ovationen für Laura Schulte und Jannik Straube, Kristin Turck, Lena Lauterjung und all die anderen, die sich unter der Regie von Deutschlehrerin Julia Pütz und Cornelia Meissner mit diesem Stück auseinandergesetzt haben. „Timandra oder der Freundschafts Preis“ wird Mittwochabend noch einmal gespielt ab 19.30 Uhr an gleicher Stelle, es gibt noch Karten für zehn Euro, ermäßigt acht Euro. -  rudi

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