In manchen Städten sind Verkleidungen verboten worden

Statt Karneval: Kita im MK feiert "Verkleidungsfest"

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An den Karnevalstagen schlüpfen auch viele Kinder in andere Rollen: Doch was die Kostüme angeht, gibt es teils klare Regeln.

Eine Kindertagesstätte in Erfurt hat ihren Kindern verboten, an Rosenmontag und Veilchendienstag verkleidet zu kommen. Andernorts sind bestimmte Kostüme untersagt worden. Das ist auch in Kitas im MK ein Thema.

Lüdenscheid – Die Begründung in den Kitas in Erfurt und anderen Städten Deutschlands: Kulturelle Stereotype, man wolle die Kinder für einen angemessenen Umgang sensibilisieren. Wie und ob die Karnevalstage in Lüdenscheid gefeiert werden, dafür gibt es seitens der Träger zwar keine Vorgaben – die Leiter allerdings haben durchaus ein Auge darauf. 

So etwa im evangelischen Kindergarten Brügge. Vor etwa 30 Jahren noch sei in der Regel gar kein Karneval in den evangelischen Einrichtungen gefeiert worden. Das hat sich aber geändert, wie Leiterin Gaby Vandervelde sagt. 

Mottos sollen Grenzen setzen

Nicht unter dem gängigen Karnevalsbegriff, aber als Verkleidungsfest veranstalten sie am Rosenmontag ein Fest. „Viele Jahre haben wir das dienstags gefeiert, inzwischen bieten wir das Fest am Montag unter einem Motto an.“ Das sind etwa „Berufe“ oder „Pippi Langstrumpf – Ich mache mir die Welt, wie sie mir gefällt“. 

Dadurch sei das Fest schlichtweg kontrollierter, insbesondere was die Kostüme der Kinder betrifft. „Das Verkleidungsfest soll deutlich gewaltfrei sein, wir wollen keine Schwerter oder Pistolen“, betont Vandervelde. Ansonsten stehen an dem Tag Tanz, Spiele und ein Büffet mit diversen Speisen und Süßigkeiten auf dem Plan.

Manche Kinder kommen an den Tagen nicht in die Kita

 „Es ist schön, wenn sich die Kinder verkleiden, das ist kreativ und sie können in Rollen schlüpfen, was zur Entwicklung dazugehört.“ Zwar werde die Karnevalszeit eher von den Katholiken vor der Fastenzeit gefeiert, „aber das ist bei uns nicht mehr so streng“. Allerdings: „Wir hatten auch schon öfter Kinder aus freien Gemeinden bei uns, die an diesem Tag dann nicht gekommen sind“, sagt Vandervelde. 

Dass die Kinder selbst entscheiden dürfen, ob sie sich verkleiden oder nicht, ist für alle befragten Kitas in Lüdenscheid ein wichtiger Punkt. „Ob wir Karneval feiern sollten oder nicht, haben wir hier auch schon oft diskutiert“, sagt Kerstin Peter, Leiterin der städtischen Kita im Haus der Jugend. Und sich stets dafür entschieden: „Wir feiern seit einigen Jahren bereits donnerstags, weil einige Eltern an Rosenmontag gerne mit den Kindern zu den Umzügen fahren oder einfach frei machen.“ 

Rückzugsmöglichkeiten für die Kinder

Verkleiden dürfen sich die Kinder aber an allen Tagen. „Sie sind oft sehr stolz auf ihre Kostüme.“ Auch die Erzieher werfen sich am Festtag in Schale, sagt Peter. „Allerdings so, dass sie gut zu erkennen sind, damit vor allem die ganz jungen Kinder sich nicht fürchten.“ 

Die Angebote an dem Tag seien kindgerecht und für das jeweilige Alter passend – mit Spielen und Musik. Und vor allem: Rückzugsmöglichkeiten. Denn „wenn den Kindern das Feiern zu viel wird, bieten wir ihnen immer auch andere Möglichkeiten in ruhigen Räumen an – ohne Remmidemmi“, sagt Peter. 

"Eltern und Kinder anderer Kulturen genießen das"

Im katholischen Glauben gehöre das Feiern vor der Fastenzeit dazu, sagt Brigitte Madry. Sie ist die stellvertretende Leiterin der katholischen Kita Die Arche. „Ich kann mich auch nicht daran erinnern, dass es irgendwann mal Probleme deshalb gab und Eltern das nicht wollten“, sagt sie. 

In der Kita werde ab Donnerstag gefeiert, mit Tanz und Schminken. Die große Feier finde am Montag statt, „mit gezielten Angeboten zum Karneval“. 

Vorgaben erhalten die Kitas seitens der Träger nicht, heißt es auf Nachfrage. Dirk Cechelius ist Geschäftsführer des Trägerverbundes der Kitas im evangelischen Kirchenkreis Lüdenscheid-Plettenberg und sieht die Karnevalstraditionen positiv: „Wir erleben immer mehr, dass Kinder und Eltern anderer Kulturen das genießen und kennenlernen wollen. Das lockert den Kita-Alltag auf.“

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