Statt Entlastung neue Vorwürfe

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Lüdenscheid - Statt der erhofften Entlastung, etwa durch strafmildernde Aspekte nach einer psychiatrischen Untersuchung, rollen zum nahenden Ende des Prozesses weitere schwere Vorwürfe auf den Angeklagten "Vassili" zu. Es geht – mal wieder – um ein Konto eines seiner Opfer.

Von Olaf Moos

Der Fall

Ein 29-jähriger Lüdenscheider ist wegen erpresserischen Menschenraubes und einer Reihe anderer Verbrechen angeklagt. Er soll seine Opfer systematisch bedroht, verletzt und um ihr Eigentum gebracht haben. Nach seiner Flucht nach Griechenland wurde er in Thessaloniki gefasst und den deutschen Behörden ausgeliefert. Der Prozess soll bis Mitte Januar dauern und wird am 6. Januar um 9.30 Uhr fortgesetzt.

Ein 23-jähriger angehender Werkzeugmechaniker hatte auf „Vassilis“ Veranlasssung in einer Hagener Filiale der Targo-Bank ein Konto eröffnet und einen Kredit beantragt (wir berichteten). Gleichzeitig sollte die Targo seinen älteren Kredit, der bei der Sparkasse Lüdenscheid lief, übernehmen.

Knapp 7000 Euro flossen so zur Sparkasse – aber nicht auf das Konto des erpressten jungen Mannes. Offenbar, so der Verdacht der Justiz, hatte „Vassili“ dafür gesorgt, dass das Geld auf dem Konto einer Bekannten landet. Als die Prozessbeteiligten diese Zusammenhänge im Prozess erstmals erörtern, reagiert der Angeklagte überrascht, dann aufgeregt verzweifelt. Richterin Heike-Hartmann-Garschagen, lädt die junge Iserlohnerin vor.

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Die Zeugin (23), Verkäuferin in einer Iserlohner Bäckerei, macht keinen Hehl aus ihrer Beteiligung. Ja, sie habe das Geld des Werkzeugmechanikers – 6800 Euro – auf ihrem Konto gehabt, es am 22. Februar 2013 bar abgehoben und „Vassili“ ausgehändigt. „Aus Nettigkeit“, wie sie sagt. Und für die Gefälligkeit habe der Angeklagte ihr 2000 Euro abgegeben. Die Richterin wirft ein: „Das war aber auch nett von ihm.“ Die junge Zeugin erzählt weiter, sie habe „nichts Schlimmes darin gesehen, ich hatte ja selber Probleme“.

Strafverteidiger Andreas Trode wittert eine Chance und fragt den Metallhandwerker, ob er auch etwas von dem Geld abbekommen habe. Doch der verneint. Er kenne die junge Zeugin überhaupt nicht.

Seine Mutter berichtet, es kämen immer noch Briefe mit Rechnungen, unter anderem für Flugtickets nach Griechenland. „Mein Sohn hat Angst um sein Leben gehabt.“ Zur Richterin sagt die 41-Jährige: „Was der (der Angeklagte, Anm.d.Red.) alles bestellt, gekauft und vom Geld meines Sohnes bezahlt hat, können Sie sich gar nicht vorstellen.“

Der Prozess wird am 14. Januar um 9.30 Uhr fortgesetzt.

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