Vandalismus im eigenen Denkmal

In der Diskussion: Denkmalschutz für das Haus Zum Schierey 4.

Lüdenscheid - Ein Jahrhunderte altes Wohn- und Wirtschaftsgebäude am Schierey birgt denkmalrechtlichen Sprengstoff. Am Donnerstag um 17 Uhr diskutiert der Kulturausschuss (17 Uhr, Saal der Stadtbücherei, öffentlich) über die Immobilie, die der Besitzer abreißen will, um an gleicher Stelle zwei Einfamilienhäuser zu bauen.

Dazu wird es – zumindest zunächst – nicht kommen. Aller Voraussicht nach dürften die Politiker heute im Kulturausschuss, danach auch im Bau- und im Hauptausschuss dem Denkmalrecht und damit der Vorlage der Verwaltung folgen. Danach müsste ein Gebäude automatisch in die Denkmalliste aufgenommen werden, wenn es Anhaltspunkte für dessen Denkmalwert gibt. Wirtschaftliche Erwägungen spielen an dieser Stelle des Verfahrens keine Rolle, skizziert die Vorlage aus dem Fachbereich Kultur und Denkmalschutz der Stadt.

Bis zu dieser Stelle unterscheidet sich der Vorgang auch nicht von vergleichbaren, wenn es um die Unterschutzstellung eines Baudenkmals geht, im Notfall auch gegen den Willen des Besitzers. Ein Sonderfall liegt aber insofern vor, weil der Eigentümer, der den Hof am 28. September 2011 erworben hatte, bereits über einen positiven Vorbescheid der Stadt zum Abbruch verfügt. Für mögliche wirtschaftliche Schäden droht er über seinen Anwalt Entschädigungsansprüche an, die er für sämtliche Vermögensnachteile gegenüber der Stadt geltend machen würde.

Weitere Pikanterie des Falles: Die Untere Denkmalbehörde bescheinigt dem Bau in einem Gutachten vom 25. Juli 2013 wissenschaftlichen, geschichtlichen, kunstgeschichtlichen und historischen Denkmalwert. Das veranlasste den Eigentümer zum einen, sich an den Petitionsausschuss des Landtags zu wenden und zudem, sein Denkmal gezielt zu „vandalisieren“, wie es in der Vorlage heißt.

Türen und Fenster herausgebrochen

Die Anhaltspunkte für den wissenschaftlich-historischen Denkmalwert wie eine Holztreppe, ein Außenfenster und einen Wappenstein aus dem Jahr 1711ließ er herausbrechen und als Müll entsorgen und teilte das der Unteren Denkmalbehörde am 27. März dieses Jahres auch mit. Weiter ist die Rede von beschädigten Lehmputzdecken, eingeworfenen Fenstern und Löchern in der Dachhaut, wie in einer zweiten Begehung des Objekts festgestellt wurde. Eine Ordnungswidrigkeit oder ein Straftatbestand allerdings liegt dabei aber nicht vor. Denn eine Unterschutzstellung lag zu diesem Zeitpunkt eben nicht vor.

Allerdings hatte der Eigentümer in seinem Bemühen, den Denkmalwert zu minimieren, auch die Türzargen herausgebrochen, was den Fachleuten aus dem Denkmalamt auch Einblicke in die Bausubstanz eröffnet, genauer gesagt, auf die bauzeitlichen Fachwerkwände, die nun erst recht den historischen Wert des Gebäudes dokumentieren. - flo

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