Starke Resonanz auf Burn-Out-Vortrag

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Dr. med. Gerhard Hildenbrand (l.) und Dr. Markus Huntemann klärten über Symptome und Diagnosen auf.

LÜDENSCHEID - Kurz vor dem Abschluss des Vortrags von Dr. med. Gerhard Hildenbrand zum „Burn-Out – Das erschöpfte Selbst in einer globalisierten Welt“ schlug der Computer eine „vollständige Systemprüfung“ vor.

„Auch wenn das sogar zum Thema passt, machen wir das später“, schmunzelte der Klinikdirektor für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie. Der erste Teil der Vortragsreihe, zu der das „Lüdenscheider Forum Seele & Körper“ eingeladen hatte, stieß am Montagabend auf herausragende Resonanz. Mehr als 100 Gäste ließen den Seminarraum im Haus 7 des Klinikums aus allen Nähten platzen – ein Zeichen, wie sehr das Ausgebranntsein die Menschen bewegt.

„Nicht jede Erschöpfung ist ein Burnout“ hatte zuvor der Internist Dr. Markus Huntemann erklärt. Die Arbeitswelt in der modernen Leistungsgesellschaft habe allerdings einen erheblich Anteil daran. So führten Stellenabbau zu Arbeitsplatzunsicherheit und Ängsten. Die Verdichtung der Arbeit erfordere zunehmende Flexibilität, auch räumlich, und führten zu körperlicher und seelischer Erschöpfung. Die Auslagerung von Arbeit wiederum, verbunden mit einem einer geringeren Entlohnung sorgten für Frustration. Eine Gemengelage, die besonders kommunikative Berufe wie in der Pflege, Ärzte oder Lehrer träfen. Burn-out habe inzwischen Herz-Kreislauf-Erkrankungen als Gesundheitsstörung Nummer eins abgelöst. Eine sehr differenzierte Diagnostik sei erforderlich, um der Ursache auf den Grund zu gehen und Lösungen anbieten zu können.

Dr. med. Gerhard Hildenbrand betonte, dass neben dem Arbeitsplatz auch persönlichkeitsbedingte Faktoren, das Privatleben – „auch Familie ist ein Arbeitsplatz“ – und körperliche Fitness eine wichtige Rolle bei der Ursachenforschung spielten. „Hohe Erwartungen an sich selbst, das starke Bedürfnis nach Anerkennung, das Gefühl, unersetzbar zu sein, Einsatz bis hin zur Selbstüberschätzung, Arbeit als allein sinngebende Beschäftigung“ – auch das alles führe zu Stress und dauerhaftem Erschöpfungszustand mit Symptomen wie Herzrasen, einer Herzmuskelschwäche Bluthochdruck oder Tinnitus.

Um wieder psychische Energie zu gewinnen und sie zu regulieren, gebe es zahlreiche Hilfestellungen. „Voraussetzung ist allerdings die Bereitschaft, sich selbst in Frage zu stellen.“ Bei schwerwiegender Symptomatik sei eine Psychotherapie anzuraten. „Da reichen nicht mal eben drei Wochen Urlaub.“

Wichtig sei aber auch, psychische Störungen zu entstigmatisieren. „Menschen, die unter Burnout leiden, sind keine Weicheier. Transparenz und Konsens sind unerlässlich, nicht nur am Arbeitsplatz.“

Aber auch genügend Therapie-Möglichkeiten, wie einige Zuhörer betonten. Da mangele es doch vor Ort. In Sachen Psychotherapie sei Lüdenscheid und Umgebung eine strukturschwache Gegend. Die Wartezeiten im Bedarfsfall seien lang. - Martin Messy

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