Standkarten-Verkauf für LN-Secondhand-Modemarkt

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Jedes Jahr aufs Neue: Katrin Manthey (l.) und ihre Freundinnen freuen sich schon jetzt auf den Secondhand-Modemarkt am 6. April.

Lüdenscheid - Es ist kalt. Nicht eiskalt – aber heißer Tee und Kaffee, warme Fleece- und Felldecken und sogar Wärmflaschen kommen an diesem Morgen trotzdem zum Einsatz. Renate Goossens harrt seit 5 Uhr vor den Türen des Kulturhauses aus – und Ursula Monti Nia schon seit 4.30 Uhr, wie sie später beim Kauf ihrer Standkarte stolz verkünden wird.

Mit Ursula Monti Nia und Renate Goossens warten rund 100 weitere Frauen und Männer am frühen Samstagmorgen auf Einlass. Warum? Weil der LN-Secondhand-Modemarkt seine Schatten voraus wirft – und der Ansturm auf die heißbegehrten Standkarten um Schlag 8 Uhr beginnt.

Wie oft war sie schon beim Modemarkt mit einem Stand vertreten? Ursula Monti Nia muss nicht lange überlegen. „Mehr als 20 Mal!“ Da kann Renate Goossens nicht mithalten. Noch nicht. Sie ist heute zum ersten Mal dabei. „Hier ist vor allem der harte Kern vertreten“, weiß Ursula Zimmermann – mit rund zwölf Einsätzen beim Modemarkt auch schon eine alte Häsin, wie sie lächeln erzählt.

Der Secondhand-Modemarkt im Kulturhaus – das ist mehr als die Möglichkeit, Fehlkäufe und nicht mehr passende Kleidung und Schuhe zu verkaufen. Für die meisten, die sich an diesem Tag ihre Standkarte sichern, ist es ein Spektakel mit großem Spaßfaktor. Und der Erlös, der in der Kasse klappert? Über den sprechen die Damen und Herren Verkäufer nicht so gern. Nur widerwillig werden schließlich ein paar Summen in die langsam wärmer werdende Morgenluft geraunt. Die Spanne ist groß und reicht von „leider nur 50 Euro“ bis zu „im vergangenen Jahr waren es gigantische 700 Euro“.

Die Kasse klingelt dann, das wissen die geübten Verkäufer, wenn topmodische Markenware angeboten wird. „Die Leute sind schon anspruchsvoll. Die wollen keine alten Klamotten – die wollen tolle Sachen ergattern“, erzählt Katrin Manthey. So wie die Winterjacke, die Katrin Manthey als Schrankleiche daheim hatte. „Sie war mir einfach zu klein. Ein echter Fehlkauf. Aber ich habe sie verkauft – und die Käuferin trägt die Jacke heute noch gern.“ „Genau, das stimmt“, sagt ein blonder Haarschopf mitten aus dem Gedränge heraus. „Mir passt die Jacke ja auch wie angegossen.“ Macht auch Katrin Manthey beim Modemarkt selbst Jagd auf Schnäppchen an anderen Ständen? „Bisher habe ich das nie geschafft. Aber in diesem Jahr will ich es auch mal versuchen.“

Auf Schnäppchenjagd gehe jeder, erklären Ursula Zimmermann und Ursula Monti Nia: „Von der einfachen Arbeiterin bis zur Arztfrau.“ Und auch Stammkundschaft haben die Verkäuferinnen bei Secondhand-Modemarkt. „Man lernt sich über die Jahre ja schon kennen. Und die Leute kommen dann ganz gezielt und fragen, ob ich etwas für sie dabei habe“, berichtet Ursula Monti Nia.

Weltfrauentag: Für ihre Gattinnen standen diese Herren an.

Mittlerweile ist es zwei Minuten vor 8 Uhr. Renate Goossens und Katrin Manthey reiben sich die Hände. Stundenlang in der Kälte zu stehen – das ist auf die Dauer kein Spaß. „Ich verstehe nicht, warum wir nicht drinnen warten können. Das müsste doch zu machen sein“, sagt Ursula Monti Nia. „Vielleicht sollte man so einen Nummernautomaten wie beim Bürgeramt aufstellen. Das würde die Sache einfacher machen – und übersichtlicher“, träumt Katrin Manthey von einer generalstabsmäßigen Abwicklung des Standkarten-Verkaufs. Heike Thie hat da ganz andere, bodenständige Wünsche. „Eine Toilette. Soviel Tee und Kaffee wie hier getrunken wird, könnten wir die gut gebrauchen.“

Vorn an der Eingangstür tut sich mittlerweile etwas. Offenbar war die Tür schon länger aufgeschlossen. Ein Stöhnen geht durch die Reihen. „Dann hätten wir ja auch drinnen warten können.“ Aber nachhaltig trübt diese Erkenntnis die Freunde nicht. Schließlich haben es alle, die stundenlang ausgeharrt haben, nun bald geschafft. Ursula Monti Nia ergattert als Zweite eine Standkarte. Sie kann sich die Standnummer aussuchen. „Die Vier, bitte!“, sagt sie bestimmt, zahlt ihre 15 Euro Standgebühr und ist dann blitzschnell mit einem „Tschüss“ verschwunden. Renate Goossens, Ursula Zimmermann und Katrin Manthey schauen ihr nach. „Das ging jetzt aber schnell!“ Doch man sieht sich ja wieder. Spätestens beim 33. Secondhand-Modemarkt am 6. April.

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