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Stammgäste sorgen sich ums Saunadorf: Betreiber bleibt hart

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Von: Olaf Moos

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Bademeister reinigt Sonnenliegen
Saunameister Carsten Hempler hält die Anlage am Nattenberg zusammen mit seinem Kollegen Otmar „Otti“ Werner in Schuss. Bis zum Neustart im September wird Hempler als Schwimmmeister im Herscheider Freibad tätig sein. © Olaf Moos

Die Wellness-Branche erwacht mit abnehmender Corona-Inzidenz langsam wieder zum Leben. Landesweit öffnen Bäder und Saunen – wenn auch mit noch zurückhaltender Resonanz der Badegäste. Von einer Wiederbelebung des Saunadorfs Nattenberg kann allerdings noch längst keine Rede sein.

Lüdenscheid - Die Stadtwerke bleiben zur Enttäuschung vieler Stammgäste aus Lüdenscheid und dem Umland bei ihrer Linie: Anschwitzen erst ab 1. September! Bäder-Chef Friedrich Schmidt-Werthmann: „Alles andere ist betriebswirtschaftlich nicht zu vertreten.“

Damit rangiert die vielfach prämierte Wellness-Oase am Stadtrand 22 Jahre nach ihrer Eröffnung weit hinter den meisten Konkurrenz-Betrieben der Region. Das Hagener Westfalenbad hat seinen Neustart für den 1. Juli angekündigt, das „monte mare“ in Reichshof-Eckenhagen für den 5. Juli. Und die Anlage „Gut Sternholz“ in Hamm stocht die Öfen ab 16. Juli an. Das „mediterana“ in Bergisch-Gladbach, die Anlage im Dortmunder Revierpark Wischlingen oder die Medi-Therme in Bochum sind bereits wieder in Betrieb.

Gründe für die Sommerpause im Saunadorf Lüdenscheid

Schmidt-Werthmann erklärt den Unterschied einerseits mit der Struktur des Saunadorfs. „Teils sind Saunen in Schwimmbäder integriert, da ist es einfacher.“ Allerdings bleibt auch die Sauna im Familienbad Nattenberg nebenan noch dicht.

Andererseits spielt ein Bestandteil der Verträge zwischen den Anteilseignern eine wichtige Rolle: die Verlustobergrenze. In dem Wissen, dass öffentliche Bäder in der Regel Zuschussbetriebe sind, haben sich die Verantwortlichen bei der Gründung der Enervie und der Übernahme der Badbetriebe auf eine Verlustobergrenze geeinigt.

Das heißt: Fährt das Stadtwerke-Unternehmen zu hohe Defizite ein, müsste der Stadtkämmerer das Minus aus dem Etat ausgleichen – was vermutlich eine Diskussion über den Sinn eines öffentlich geförderten Saunadorfs befeuern würde. Schmidt-Werthmann: „Diesen Punkt nicht zu erreichen, hat oberste Priorität.“

Eine Privatisierung, also ein Verkauf des Saunadorfs steht nach Informationen unserer Redaktion nicht zur Debatte. Doch die warme Jahreszeit mit ihren traditionell schwachen Besucherzahlen zu überbrücken, erscheint den Verantwortlichen als probates Mittel, die Zukunft wirtschaftlich günstiger zu gestalten. Während laut Schmidt-Werthmann im Winter 3500 bis 4000 Gäste pro Monat kommen, brechen die Zahlen im Sommer auf maximal 1700 ein.

Die Frage, ob eine Sommerpause wie 2021 auch ein Modell für die Folgejahre sein könnte, beantwortet der Bäder-Chef dennoch kategorisch: „Auf gar keinen Fall!“ Auch weitere Einschränkungen der Öffnungszeiten mit noch mehr Ruhetagen pro Woche kommt für den Stadtwerke-Mann nicht in Frage – was auch mit den geltenden Arbeitsverträgen der mehr als 20-köpfigen Belegschaft des Saunadorfs zu tun habe.

Derweil hält ein kleiner Teil der Mannschaft die Anlage regelmäßig in Teilzeit in Schuss. Schmidt-Werthmann: „Das Saunadorf ist in einem Topzustand.“ Der Rest des Teams bleibt noch ein paar Monate in Kurzarbeit – obwohl das coronabedingt nicht mehr angezeigt ist. Arbeitsrechtliche Schwierigkeiten sieht der Chef dabei nicht. „Das Kurzarbeitergeld wird von uns auf 95 Prozent der Löhne aufgestockt.“

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