Die Galerie in der Brieftasche

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Bettina Kümmel vom gleichnamigen Antiquitätenhaus und Matthias Klimmek von Kaffeehaus Weßling: Beide arbeiten auf künstlerischer Ebene zusammen.

LÜDENSCHEID - Emil Nolde, Max Ernst, Otto Dix – Maler mit bedeutenden Namen, die sich in den 30er-Jahren nach nationalsozialistischen Diffamierungen aus der Öffentlichkeit zurückziehen mussten.

Ihnen blieb nichts, als zum eigenen Broterwerb auf die so genannten „Taschenkunst“ zurückzugreifen, die es heute noch in Form von laminierter Kunst im Scheckkartenformat gibt, die damals allerdings eher Brieftaschengröße hatte.

Solche Kleinkunstwerke wurden quasi unter dem Caféhaustisch gehandelt – in Häusern wie dem Caféhaus Weßling an der Hochstraße. Dort ist nun wieder Kunst eingezogen, allerdings in größeren Format. „Aber das passt zusammen“, sagt Detlef Kümmel vom gleichnamigen Antiquitätenhaus in Brügge, „wir stellen Bilder für eine Ausstellung zur Verfügung, das Café ist ein traditionsreiches Haus und über die Jahre im Charakter so geblieben. Cafés dieser Art waren immer schon ein Treffpunkt für Künstler. Das ist ein schöner Synergie-Effekt.“

Die Inhaber Norman Weßling und Matthias Klimmek betreiben nach eigenem Bekunden das letzte ursprüngliche Caféhaus in Lüdenscheid. Schnell kamen sie mit dem Ehepaar Kümmel, eigentlich „nur“ Gäste an der Hochstraße, ins Gespräch. Daraus ergab sich eine nun fertig gestellte Ausstellung, die noch bis zum Monatsende den Blick auf Chagall, Dali und Miro bietet. Platz ist für etwa 12 Bilder, Anfang Dezember werden sie ausgetauscht. „Wir wollten erstmal mit bekannten Namen beginnen, mit denen die Gäste hier etwas anfangen können. Später sollen bewusst auch Künstler wie Nolde oder Dix zu Ehren kommen“, so der Antiquitätenhändler weiter, der bewusst nur wirkliche Werte oder handsignierte Werke aufgehängt hat. Allein gelassen werden die Gäste bei der Betrachtung der Gemälde nicht – jedes Bild ist mit Erläuterungen versehen. „Die Resonanz der Kunden ist groß“, so Weßling im Gespräch mit unserer Zeitung, „unser Haus wurde 1890 gebaut, 1915 so ausgestattet und ist im Charakter so geblieben. Das passt mit Kunst zusammen.“ - rudi

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