Nach Absage aus der Politik

Aus für Stadtturm in Lüdenscheid!

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Rothmann Immobilien entwickelte zuletzt eine abgespeckte Stadtturm-Version – ohne Turm.

Lüdenscheid – „Der Stadtturm ist Geschichte“, sagt Projektentwickler Roland Rothmann. Auch ein letzter Versuch, das ambitionierte Städtebau-Projekt in der Lüdenscheider Innenstadt zu retten, scheiterte. Jetzt droht am „Eingangstor“ zur Wilhelmstraße ein dauerhafter Leerstand.

Nachdem die Politik eine Anmietung von Büroflächen durch die Stadt grundsätzlich abgelehnt hatte, hatte Rothmann zwischenzeitlich neue Pläne für eine abgespeckte Version des Stadtturms vorgelegt – ohne Turm, ohne städtische Büroflächen, ohne Betriebs-Kindergarten. Und ohne Erfolg. Die Investoren sprangen beim zweiten Projekt wegen mangelnder Renditeaussichten ab. 

Das ist die ursprüngliche Planung

Im Dezember 2018 stellte Roland Rothmann der Öffentlichkeit die Pläne für einen 44 Meter hohen Stadtturm auf dem Gelände des Peek&Cloppenburg-Gebäudes (Wilhelmstraße 2 bis 10) vor. Zuvor hatte er Stadtverwaltung und die Ratsfraktionen über die Pläne informiert, die zu diesem Zeitpunkt schon weit fortgeschritten waren. 

So hatte der Projektentwickler die Einzelhandelsfläche im Erdgeschoss komplett und langfristig vermietet. Neben zwei Handelsketten, die Waren des täglichen Bedarfs anbieten, war auch der Mietvertrag mit einem Bäckerei-Café unterzeichnet.

Hotel-Kette hatte schon zugesagt

Ein Gutachten hatte zudem den Bedarf für hochwertige, kleine, stadtzentrale Mietwohnungen bestätigt. Kalkulierte Miete: 11,50 Euro pro Quadratmeter. Rund 50 Wohnungen waren deshalb im Stadtturm projektiert. Für sie waren im Gebäude 50 Parkplätze vorgesehen. 

Parallel hatte eine Hotel-Kette Interesse an Lüdenscheid angemeldet. Sie wollte anstelle der Wohnungen im Stadtturm ein Drei-Sterne-Hotel mit 128 Zimmern und 80 Parkplätzen umsetzen. Ein „Letter of Intent“ (Absichtsichtserklärung) war bereits unterzeichnet. 

Städtische Büros waren geplant

Größter Mieter in dem Bauprojekt sollte die Stadtverwaltung werden. Über einen langfristigen Mietvertrag sollte die Stadt ihren Beitrag zur Beseitigung des Schandflecks am Sternplatz leisten und gleichzeitig ihren zusätzlichen Raumbedarf decken. 

Die ursprüngliche Planung war im Dezember 2018 vorgestellt worden. 

70 Büroräume wurden schließlich in die Stadtturm-Planungen aufgenommen, insgesamt rund 2 500 Quadratmeter. Dies entsprach ziemlich genau dem zuvor in der Verwaltung ermittelten zusätzlichen Raumbedarf. 

Stadt als Partner „Lebenswichtig“

Rund 37 Millionen Euro wollte die Gemeinschaft aus privaten und institutionellen Anlegern in Lüdenscheid investieren. Allein 5,4 Millionen Euro davon wären für den Kauf des P&C-Komplexes und dessen Abriss notwendig gewesen, erklärt Rothmann heute. Dennoch konnte der Projektentwickler eine Rendite von mehr als 5 Prozent in Aussicht stellen. Sie ist am Markt notwendig, damit Groß-Anleger ihr Geld überhaupt in einer Stadt wie Lüdenscheid investieren. 

Von Beginn an hatte Roland Rothmann Politik und Verwaltung gegenüber deutlich gemacht, dass die Umsetzung des Stadtturms nur möglich ist, wenn sich die Stadt Lüdenscheid beteiligt. Im Dezember 2018 sagte er im Stadtrat: „Es ist lebenswichtig, dass sich die Stadt in das Projekt einbringt.“ 

Überraschende Absage der Politik

Dennoch stimmte der Hauptausschuss im Juni dieses Jahres in nichtöffentlicher Sitzung geschlossen gegen die von Bürgermeister Dieter Dzewas eingebrachte Vorlage. Was viele nicht wissen: Eine Entscheidung über eine Anmietung war gar nicht zu treffen. 

Der Beschlussvorschlag sah lediglich vor, dass die Verwaltung Verhandlungen über Mietdauer und -preis mit der Investorengruppe aufnimmt.  Mit dem negativen Votum aus der Politik habe er nicht gerechnet, sagt Rothmann. 

Fehlendes Druckmittel

„Die Politiker haben diesmal den Mut bewiesen, der ihnen damals gefehlt hat“, sagt Rothmann. 2012 hatte P&C eigene Pläne für einen Neubau mit 4.500 Quadratmetern Verkaufsfläche vorgestellt (Eröffnungstermin: 2014). Im dafür abgeschlossenen städtebaulichen Vertrag verzichtete die Stadt seinerzeit nach Informationen unserer Zeitung auf die sonst obligatorische Bürgschaft für die Vertragserfüllung. 

Der Stadtrat segnete das Vertragswerk am 1. Oktober 2012 bei fünf Gegenstimmen dennoch ab. Als P&C die Neubau-Pläne auf Eis legte, fehlte der Stadt ein Druckmittel, um die zeitnahe Umsetzung zu erzwingen oder zumindest eine Konventionalstrafzahlung zu erhalten. 

Abgespeckte Version

Zurück ins Jahr 2019: Roland Rothmann und sein Architekt unternahmen trotz des Rückschlags einen letzten Rettungsversuch für das Projekt – diesmal ohne die Mittel der öffentlichen Hand. Das nun fünfgeschossige Objekt verzichtet auf den Turm und passt sich optisch und in der Höhe dem gegenüberliegende Sinn-Gebäude (Sternplatz 1) an. 

Die gesamte Berichterstattung zum Stadtturm

Über Einzelhandel und Gastronomie im Erdgeschoss und einer Etage mit Parkplätzen sind 42 Wohnungen (je 62 Quadratmeter) geplant. Ein Hotel ist in diesem Entwurf keine Option mehr. Die Gesamtnutzfläche beträgt nun noch 4 800 statt wie zuvor 11 000 Quadratmeter. 

Zu geringe Rendite 

Am Ende scheiterte das Projekt am Kaufpreis für die P&C-Immobilie. P&C lehnte den notwendigen Kaufpreis-Nachlass ab. Wegen mangelnder Renditeaussichten stiegen die Investoren aus. Zur Realisierung hatten rund zwei Millionen Euro gefehlt. 

Die Eingangssituation zur Wilhelmstraße wird von der leer stehenden P&C-Immobilie (rechts) geprägt.

Roland Rothmann blickt nun mit Sorge auf die einstige Flaniermeile Lüdenscheids. Für ihn ist klar: „Die Stadt wird sich an diesen Anblick gewöhnen müssen.“ Mit unabsehbaren Folgen für den Handel.

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