Stadtrundgang auf jüdischen Spuren

Dort, wo heute das Gebäude der AOK steht, war bis 1955 ein jüdischer Friedhof – das war die erste Station des Stadtrundgangs. ▪

LÜDENSCHEID ▪ Sie kommen aus Dresden, Tübingen, Berlin, Dortmund und Lüdenscheid und haben für die Aktion Sühnezeichen ein freiwilliges soziales Jahr in Israel verbracht. Daraus ist die Initiative „Niemand wird vergessen“ entstanden, die sich am Samstag zu einem Stadtrundgang auf jüdischen Spuren durch Lüdenscheid aufmachte.

Jan Gerlich, der selbst aus der Bergstadt stammt und jetzt in Dortmund lebt, hatte den Rundgang mit Material aus dem Internet, das zum großen Teil auf Recherchen von Matthias Wagner beruht, vorbereitet. Gerlich freute sich, dass die Gruppe nicht allein blieb.

Einige interessierte Lüdenscheider, darunter Mitglieder des Vereins Gedenkzellen wie eben der Vorsitzende Matthias Wagner, schlossen sich ihnen an. Somit konnte der Historiker die Ausführungen von Jan Gerlich an einigen Stellen um aktuelle Forschungsergebnisse ergänzen.

Erstes Ziel war die Grünfläche vor der AOK, wo sich bis 1955 ein jüdischer Friedhof befand. Die dort Bestatteten wurden zum Ramsberg umgebettet. Wagner wusste, dass das Gelände an der Knapper Straße in keinem guten Zustand war, weil es während der NS-Zeit verwüstet wurde. Von dort ging es zum Alten Rathaus, wo Wagner eine Besichtigung der Gedenkzellen ermöglichte. Entlang der Wilhelmstraße wurde außerdem an einige Adressen erinnert, an denen sich bis in die 1930er-Jahre Geschäfte jüdischer Inhaber befanden. Schlusspunkt des Rundgangs war eine Gedenkminute an der Gedenktafel an der Stadtbücherei, wo sich einst der jüdische Betraum befand. Hella Goldbach vom Verein für christlich-jüdische Zusammenarbeit verlas die Namen aller in der NS-Zeit umgekommenen Juden aus der Bergstadt.

Die Lüdenscheider zeigten sich höchst angetan vom Interesse der jungen Leute und luden sie direkt ein, zur Eröffnung der Gedenkzellen im November wieder nach Lüdenscheid zu kommen. ▪ gör

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