Stadtrat streitet um neue Stelle für Baby-Besuche

Beim jüngsten Neugeborenen-Empfang der Stadt besuchten junge Lüdenscheider Familien die Verwaltung, künftig soll es auch umgekehrt sein.

LÜDENSCHEID - Die geplanten Besuche der Stadt bei Familien mit Neugeborenen sorgten am Montag für Streit im Rat: Die Verwaltung will die neue Aufgabe erst einmal nur mit einer Viertelstelle ausstatten – doch das ist den Grünen und der SPD zu wenig.

Vor allem Hermann Morisse (Die Grünen) als Vorsitzender des Ausschusses für Jugendhilfe protestierte: Es könne nicht sein, dass ausgerechnet die Stadt bei dieser vielfach vernetzten Aufgabe ihrer Verpflichtung nicht nachkommt. Für die SPD erklärte Ratsfrau Verena Kasperek: „Das ist mit einer Viertelstelle nicht zu leisten!“

Bekanntlich geht es darum, dass jede Lüdenscheider Familie mit Nachwuchs künftig Besuch von der Stadt bekommen soll. Zum einen, um das Neugeborene zu begrüßen, aber auch, um junge Eltern bei Bedarf Unterstützung anzubieten. Dafür soll eine Familienlotsin an jeder Haustür klingeln. Leisten soll dies eine Erzieherin aus der Kita am Hebberg, deren dortige Stellenanteile nachbesetzt werden müssten. Das Projekt ist auf zwei Jahre befristet. Wird es so gut angenommen wie in anderen Städten, kann es ein Dauerangebot werden.

Der Hintergrund: Bei Problemen trauen sich manche Familien nicht, sich direkt an die Stadt, an Vereine oder Verbände zu wenden, die ihnen helfen könnten. Die Lotsin aber haben sie persönlich kennengelernt. Hier gibt es keine Schwellenangst mehr, und hinter der Kontaktperson steht die ganze Palette möglicher Hilfen, die sofort oder später in Anspruch genommen werden können. Neben der freundlichen Geste, die zunächst die Identifikation von Familien mit ihrer Stadt fördern soll, geht es um konkrete Vorbeugung, damit kein Kind in den Brunnen fällt.

Auf Unverständnis stieß Sozialdezernent Dr. Wolfgang Schröder daher, als er im Stadtrat erklärte, dass statt der vorgesehenen halben Lotsenstelle im ersten Projektjahr nur ein Viertel zur Verfügung steht. Der Nothaushalt 2011 lasse mehr nicht zu. Schon die Viertelstelle müsse von der Kontrolle von U-Untersuchungen abgezwackt werden, erst 2012 wäre eine halbe Stelle verfügbar.

Morisse bot daraufhin an, mit Kämmerer Karl Heinz Blasweiler den Stellenplan zu durchforsten. Blasweiler hatte zuvor als beste Lösung das Kürzen an anderer Stelle im Jugendbereich genannt. Morisse will dagegen im gesamten Stellenplan suchen.

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