Vor 50 Jahren verschwand die Gaststätte Parkhaus - für einen Neubau, den jeder kennt

+
Vor 50 Jahren wurde das Parkhaus an der Parkstraße abgerissen.

Lüdenscheid – 50 Jahre ist es her, dass das Parkhaus an der Parkstraße abgerissen wurde. Mehr als 60 Jahre stand es auf dem Höhenrücken in beherrschender Lage im Stadtpark und war weithin sichtbar. Im Jahre 1887 beschloss der neu gegründete Stadtparkverein den Bau eines Gebäudes mit Gastwirtschaft und Restaurationsbetrieb. Als Standort dachte man an eine Stelle in dominanter Lage zwischen der Oberlösenbach und Oeneking.

Der Fabrikant Carl Basse, der mit zur Finanzierung des Hauses beitrug, hatte schon vorher durch die Schenkung von 32 Morgen Waldgebiet den Grundstein für den späteren Stadtpark gelegt. 50 000 Reichsmark hatte man einschließlich der Inneneinrichtung veranschlagt. Aber die finanzielle Vorgabe ließ sich nicht einhalten.

Nachträglich wurde noch der Beschluss gefasst, auf dem Dach eine kleine Aussichtsplattform zu installieren, die allein 900 Mark verschlang. Die Lüdenscheider nannten sie liebevoll „Storchennest“. Letztlich überzog man die veranschlagte Gesamtsumme um 60 Prozent und das Parkhaus kostete stolze 80 000 Mark, finanziert überwiegend durch Schenkungen und Spenden und nur zu einem geringen Teil aus städtischen Mitteln.

Am 18. Mai 1909 wurde das Haus im Rahmen großer Feierlichkeiten von Oberbürgermeister Dr. Jockusch, Mitgliedern des Magistrats und der Stadt und bekannten Unternehmern dem allgemeinen Verkehr übergeben. An den Mäzen Carl Basse erinnert noch heute ein Gedenkstein im Stadtpark.

Haus wurde beschlagnahmt

Ein schönes Haus an einem schönen Platz, eine noble Adresse. Bei schönem Sommerwetter fanden auf der Terrasse des Parkhauses regelmäßig Konzerte des städtischen Orchesters statt. Und der Aussichtsturm auf dem Dach mit der fantastischen Rundumsicht zog schon im ersten Jahr mehr als 3000 Personen in seinen Bann. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das Gebäude mehr als 20 Jahre von den Besatzungsmächten beschlagnahmt, ehe es 1958 wieder für die zivile Bevölkerung geöffnet wurde. Aber die Gaststätte hatte nicht mehr den wirtschaftlichen Erfolg früherer Jahre. Nachdem das Haus eine ganze Weile leer gestanden hatte und der Verfall drohte, begann man im Mai 1970 mit dem Abriss.

An seiner Stelle entstand ein mächtiger Hotelneubau mit elf Stockwerken, das Hollstein-Hotel. Danach änderten sich mehrfach die Besitzer und auch die Hotelnamen. So hieß es später Crest, dann Ramada und Queens und jetzt Mercure-Hotel. Die gemauerte Treppe, die einst von der Parkstraße zum Parkhaus führte, ist nach wie vor gut zu erkennen und existiert heute noch in nur leicht veränderter Form.

Gedenkstein und Schautafel

Im Stadtpark an der Basse-Nolte-Allee, das ist dort, wo sich die Boulebahn befindet, steht ein Gedenkstein mit einer Bronzetafel, die dem Lüdenscheider Kaufmann Carl Basse gewidmet ist. Direkt daneben hängt ein Schaukasten mit einer grünen Tafel, auf der steht: „Der Stadtpark. Eine Schöpfung Lüdenscheider Bürger. 1871 Gründung des Verschönerungsvereins, des Vorläufers der Stadtpark-Gesellschaft, die sich am 17. Januar 1897 konstituierte. Stammkapital 1000 Mark und 32 Morgen Wald, eine Schenkung des Kaufmanns Carl Basse.“ 

von Jürgen Hölscher

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren: Auf come-on.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare