Stadtbücherei richtet sich auf Sparkurs aus

Büchereileiterin Franziska Altenpohl

LÜDENSCHEID - Wegen vergleichsweise hoher Personalkosten und sinkender Ausleihen im Untersuchungsjahr 2007 stand die Stadtbücherei zuletzt in der Kritik der Hagener Gemeindeprüfungsanstalt GPA.

Und nach einer Organisationsuntersuchung der Stadt will die Verwaltung im nächsten Kulturausschuss Einspar-Vorschläge vorlegen. Ausgerechnet jetzt meldet die Bücherei, dass sie im Sommer auf den beliebten Ferientreff für Daheimgebliebene sowie das Lese-Ereignis „boo(k)lub“ verzichten will. War das ein erster Gruß aus dem Schmollwinkel? Auf Nachfrage unserer Zeitung versicherte Büchereileiterin Franziska Altenpohl: „Das hat mit einem Protest auf dem Rücken von Kindern und Familien nichts zu tun.“

„Ende 2007 schon tageweise Schließungen“

Von den 22 Planstellen, die die GPA 2007 noch zählte, seien heute vier nicht mehr besetzt, obwohl die Wiederbesetzungssperre bei einigen längst abgelaufen sei. Dabei werde es vermutlich bleiben, und für so personalintensive Veranstaltungen wie Ferientreff und „boo(k)lub“ blieben nicht mehr genug Aufsichten. Personalprobleme seien im übrigen nicht neu: „Wir hatten Ende 2007 schon tageweise Schließungen.“ Auch ein Verzicht auf Veranstaltungen wie die jetzt schon fast ausverkaufte Lesung von Harry Rowohlt brächten keine Lösung: „Die trägt sich von selbst und macht vergleichsweise wenig Arbeit.“

Ganze Stockwerke der Bücherei für die Ferienspiele zu schließen, kommt für Altenpohl ebenfalls nicht in Frage: „Es gibt Leihfristen, die unsere Kunden dann nicht mehr einhalten könnten. Gerade wir haben aber immer mit unserer Präsenz geworben.“

„Prüfer haben Äpfel mit Birnen verglichen“

Die GPA-Prüfer hätten zudem Äpfel mit Birnen verglichen: die 3000 Quadratmeter große, mehrstöckige und verwinkelte Lüdenscheider Einrichtung mit kleineren, die auf einer Ebene liegen und nur Ausleihen betreiben. Die eigenen Ausleihzahlen hoch zu treiben, wäre laut Altenpohl kein Kunststück: „Wir überlegen jetzt, die Leihfristen auf andernorts übliche 14 Tage verkürzen.“ Das sei zwar nicht leserfreundlich, doch wenn der Service, Angebote wie die PC-Nutzung oder sonstige Bücherei-Aufenthalte jenseits der Ausleihen bei Prüfern keine Rolle mehr spielten, dann müsse sich auch ihre Einrichtung dem anpassen.

Spardebatte: Wenig Gutes für Leser erwartet

Ohnehin erwartet Altenpohl von der anstehenden Spardebatte wenig Gutes für ihre Leser: Auch in Lüdenscheid werde man sich wohl wieder stärker aufs Kerngeschäft der Ausleihe konzentrieren müssen. Wenn man sich umorganisiere, könnten 2011 vielleicht wieder Ferienspiele stattfinden. Für Kinder gebe es auch diesmal noch kleinere Veranstaltungen im Rahmen der Monatsprogramme. Interessierte finden hier die Angebote der Stadtbücherei. - hgm

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