Stadt will Einzugsbereiche statt freier Schulwahl

Grundschüler in Lüdenscheid sollen künftig wieder in der nächstgelegenen Schule lernen.

LÜDENSCHEID - Die Stadtverwaltung will für das Schuljahr 2012/13 die Einzugsbereiche für die Grundschulen wieder einführen. Die seit 2008 geltende freie Wahl der Schule durch die Eltern würde damit wieder abgeschafft.

Im Schulausschuss am kommenden Dienstag will die Verwaltung den Auftrag erhalten, bis Mai die neuen Einzugsbereiche samt Straßenverzeichnis vorzulegen; an der Erstellung seien Schulen und Schulkonferenzen zu beteiligen. Im Juni könnte der Stadtrat die Wiedereinführung der Schulgrenzen beschließen, die dann schon für das Anmeldeverfahren im Herbst gelten. So sieht es der Fahrplan vor, der dem Schulausschuss am Dienstag vorgelegt wird. Der Ausschuss berät öffentlich ab 17 Uhr in der Gymnastikhalle der Adolf-Kolping-Schule.

Laut der Beschlussvorlage befürwortet die Verwaltung die Einzugsbereiche, weil sie eine schon 2008 geäußerte Befürchtung bestätigt sieht: Einige Innenstadtschulen liefen zunehmend leer, während Schulen, die bei Eltern beliebt sind, Klassen mit bis zu 30 Schülern meldeten. Hier will die Stadt auch im Sinne der Kinder wieder steuernd eingreifen können, wie Schuldezernent Dr. Wolfgang Schröder gestern auf LN-Anfrage erklärte.

Er trat dem Eindruck entgegen, dass ein Ratsbeschluss im Sommer der gerade erst beschlossenen Aufstellung des Schulentwicklungsplans (SEP) zuvorkommen oder zuwiderlaufen könnte. Denn der SEP soll bekanntlich auch Aufschluss darüber geben, wie bei fallenden Schülerzahlen ein zukunftsfestes und größere Stadtteile berücksichtigendes Schul-Angebot zu formen ist. Einzugsbereiche dagegen können auch Schulen am Leben erhalten, die aus dem eigenen Stadtteil heraus längst nicht mehr genug Kinder für sich gewinnen.

Dazu erklärte Dr. Schröder, dass er aus dem SEP vor allem langfristige Voraussagen über Schülerzahlen erwartet, die heute nicht vorliegen. Sie könnten dann durchaus auch Antworten auf die Frage liefern, ob in Zukunft noch alle Schulstandorte gebraucht werden. Das alte Straßenverzeichnis solle der Verwaltung jedenfalls nur noch als „grobes Gerüst“ für die neuen Einzugsbereiche dienen. Mit denen könne die Stadt auch bei ihren Investitionen Sicherheit gewinnen: Aufwändig sanierte Schulen würden tatsächlich auf Jahre hinaus genutzt und könnten nicht plötzlich abgewählt werden.

Die neuen Einzugsbereiche unterscheiden sich von den alten Bezirken auch dadurch, dass sie nicht absolut bindend sind: Erkennt eine Schulleitung nicht näher bezeichnete „wichtige Gründe“ für eine Anmeldung von außerhalb an, dann kann die Schule dieses Kind ohne weiteres annehmen.

Während sich Sprecher von SPD und Grünen schon vor Monaten zustimmend zur Wiedereinführung der Einzugsbereiche geäußert hatten, wies der FDP-Fraktionsvorsitzende Jens Holzrichter gestern darauf hin, dass es in dieser Frage ausdrücklich keinen „Fraktionszwang“ innerhalb der Ampelkoalition, also der Ratsmehrheit aus SPD, FDP und Grünen, mehr gibt.

Holzrichter, der sich selbst kürzlich klar für die Beibehaltung der Elternwahl ausgesprochen hatte, verwies auf die nächste Fraktionssitzung der Liberalen. Die anstehende Entscheidung erfordere die schwierige Abwägung zwischen einer einfacheren Schulplanung für die Stadt und der Berücksichtigung des Elternwillens. Im Schnitt 120 Eltern pro Jahr hatten sich seit 2008 für eine andere als die nächstliegende Schule entschieden – und damit ein Fünftel jedes Jahrgangs.

CDU-Fraktionschef Oliver Fröhling nannte diese Zahl gestern ein gewichtiges Argument. Auch die Union werde sich indes erst in der nächsten Fraktionssitzung am Montag ausführlich mit dem Schulthema befassen und ihre Position dazu festklopfen.

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