Doch Anwohner beschweren sich über das weiße Licht

Stadt steckt 10 Millionen Euro in Beleuchtung: Für mehr Sicherheit und weniger CO2

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Um Gebiete in der Stadt optisch zu trennen, wird nicht überall weißes Licht genutzt. Am Sauerfeld etwa sowie in Gewerbegebieten erhellt gelbes Licht die Straßen und Gehwege, allerdings inzwischen mit energiesparenden Leuchtmitteln und geringeren Abständen zwischen den Masten.

Lüdenscheid – Mehr als 10 Millionen Euro hat die Stadt Lüdenscheid seit 2010 in Straßenbeleuchtung investiert. Und das gefällt nicht allen: Anwohner beschweren sich über das neue, hellweiße Licht - doch das hat einen besonderen Sicherheitswert.

2010 begann ein großes Sanierungsprogramm der Straßenbeleuchtung, das der STL (Stadtreinigung-, Transport- und Baubetrieb Lüdenscheid) bis heute durchführt. Eingespart werden dadurch jede Menge Strom und CO2 – doch das Ganze hat auch einen Sicherheitswert, wie Yvonne Hayer vom STL verrät. 

Anlass für das Sanierungsprogramm war das in 2009 von der EU verordnete Glühlampenverbot, vom Bund gab es deshalb entsprechende Förderungen in Höhe von maximal 40 Prozent, die die Stadt in Anspruch genommen hat, wie Hayer erklärt: Insgesamt erhielt sie 650.000 Euro. 

„Anfangs war es leicht, die Fördermittel zu erhalten, weil wir durch den Austausch der Leuchtmittel eine sehr hohe Energieersparnis erreicht haben.“ Später wurde die Höhe der Förderung gesenkt und in der Stadt waren nicht mehr so viele Lampen förderfähig, weshalb der Großteil der Umrüstung durch Eigenfinanzierung gestemmt werden musste. 

Von 10.000 Leuchten im Stadtgebiet wurden inzwischen 6500 saniert, 4000 davon wurden mit LED ausgestattet, andere mit energiesparenden Lampen in einheitlichem Lichtkonzept. Jährlich bedeutet das für die Stadt laut Yvonne Hayer eine Ersparnis von 30 Prozent Energie und 850 Tonnen CO2. „Zum Vergleich: Das sind ungefähr 150 000 Autos, die von Lüdenscheid bis nach Hagen fahren“, sagt Hayer. 

Das Lichtkonzept 

Zuerst wurde die Beleuchtung in Wohngebieten angegangen. Nach der Umrüstung sollen alle Wohngebiete mit weißem Licht ausgestattet sein, entweder durch LED-Beleuchtung oder eine alternative, ebenfalls energiesparende Leuchtmittel-Variante. 

Anders in Gewerbegebieten: Zur optischen Trennung gegenüber den Wohngebieten, wie Hayer erklärt, habe man sich dort für gelbes Licht entschieden. Das sei schlichtweg Teil des Konzepts für die Lichtstruktur der Stadt, um die unterschiedlichen Gebiete auch optisch zu trennen. 

In Wohngebieten erleichtert das weiße Licht die Sicht im Dunkeln, Details sind besser zu erkennen.

Dass man sich in den Wohngebieten für weißes und in Gewerbegebieten für gelbes Licht entschieden hat, habe aber auch einen konkreten Grund: Denn in Gewerbegebieten sei abends in der Regel weniger los als in Wohngebieten, sagt Hayer. Das weiße Licht schaffe bessere Voraussetzungen: „Man erkennt deutlich besser Kontraste, auch Personen, die einem entgegen kommen – man erkennt die Mimik des anderen und kann Situationen und Aufeinandertreffen womöglich besser einschätzen.“ 

Das bedeute für Fußgänger als auch für Autofahrer einen höheren Sicherheitswert, denn auch Gegenstände auf der Fahrbahn könnten bei weißem Licht deutlich besser und frühzeitiger wahrgenommen werden als bei gelbem Licht. 

Weißes Licht „zu hell“ 

In bereits umgerüsteten Wohngebieten hatten sich in der Vergangenheit manche Anwohner über die neue Beleuchtung beschwert. Das Licht sei zu hell und störe den Schlaf, hieß es unter anderem. 

Das liege insbesondere daran, dass das weiße Licht heller wirke als das gelbe und im Zuge der Sanierung auch an vielen Stellen mehr Leuchtmasten aufgestellt und die Abstände verringert werden mussten, sagt Hayer. „Gelbes Licht wirkt natürlich gemütlicher, das ist schon ein krasser Unterschied zum weißen Licht.“ 

Außerdem seien die Abstände zwischen den Masten oft zu groß gewesen, „vor 50, 60 Jahren waren 40 Meter Abstand normal“, inzwischen gebe es aber eine Norm, die die Abstände vorgibt – eben auch, um eine gewisse Helligkeit zu erreichen. Nur rund 20 Meter sollte der Abstand betragen. 

Das Licht geht dahin, wo es hin soll: auf Gehwege und Straße. Die Lichtverschmutzung wird so verringert.

Um den Effekt des weißen Lichts etwas abzudämmen, werde nun Milchglas für die Masten verwendet. Insgesamt sei die neue Beleuchtung aber effizienter, umweltfreundlicher und schonender: „Das weiße Licht ist auch verträglicher für Insekten, es hat keine UV-Strahlung und zieht sie weniger an.“ 

Außerdem streue das Licht weniger, „es geht dahin, wo es hin soll – dadurch gibt es auch weniger Lichtverschmutzung nach oben“. 

Wann die Sanierung in der ganzen Stadt abgeschlossen sein wird, lasse sich derzeit nicht sagen, sagt Hayer. Das habe vor allem finanzielle Gründe, teilweise fehle es aber auch an notwendigen Ersatzteilen. Zunächst sollen vor allem Leuchtmittel ausgetauscht werden, „wir arbeiten uns dabei am Alter entlang und gucken, wo dringende Stellen sind“.

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