Stadt prüft Nachtschaltung der Ampeln für freie Fahrt

Bei Rot anhalten müssen, obwohl weit und breit kein anderes Auto zu sehen ist – das könnte nachts in Lüdenscheid schon bald der Vergangenheit angehören.

LÜDENSCHEID - Abends und nachts sinnlos bei Rot an der Ampel zu stehen, obwohl weit und breit kein anderes Auto in Sicht ist – das ist traurige Realität in Lüdenscheid. Ein genervter Autofahrer hatte im Rahmen des Bürgerhaushalts daher das nächtliche Abschalten aller Ampeln gefordert, das Abgase und Energie sparen würde. Daraus wird zwar nichts, weil die Stadt diesen Versuch in den 90er Jahren nach vielen Nachtunfällen abbrechen musste. Verkehrsplaner Hans Hutya regte im Bauausschuss aber an, eine spezielle Nachtschaltung zu prüfen. Und genau das geschieht jetzt.

Zunächst einmal müsste es laut Hutya in den Abendstunden möglichst stadtweit eine „Allrot“-Schaltung geben. Das klingt erstmal nach Anhalten, bedeutet tatsächlich aber freie Fahrt: An jeder Kreuzung stünden alle Signale so lange auf Rot, bis sich von irgendwoher ein Auto nähert. Die vorgelagerten Schleifen im Asphalt schalten die Ampel dann rechtzeitig auf Grün: Abbremsen oder Anhalten wären passé. Dabei ist es dank Allrot-Schaltung auch wurscht, ob der Wagen auf der Hauptstraße oder aus einer Nebenstraße heraus an die Ampel heranfährt.

Das wäre der Traum aller Autofahrer. Ob er aber auch in Lüdenscheider Nächten wahr wird, muss sich erst zeigen. Hans Hutya und sein Kollege Christian Hayer sichten gerade, was an Einrichtungen dafür auf den Straßen vorhanden ist. Hat jede Doppelspur vorgelagerte Schleifen auf jedem Fahrstreifen? Wo hängen schon moderne Infrarot-Detektoren? Wo muss nachgerüstet werden? Was würde das kosten?

Problematisch ist auch die Verknüpfung der Knoten zu einer „grünen Welle“. Heute ist es so, dass die Welle tagsüber nur schwachen Verkehr durchlässt, ansonsten gibt es so viele Anforderungskontakte für Busse oder Fußgänger, dass jeder Knoten faktisch für sich allein arbeitet. Zwar wird nachts weniger gefahren, doch müsste das Zusammenschalten dann wieder so aussehen, dass etwa auf der Heedfelder Straße ein Einbieger am Freisenberg nicht für Rot vorm Kreishaus sorgt.

Um all das zu untersuchen, durchforsten Hutya und Hayer jetzt in jeder freien Minute dicke Akten voller Signalprogramme. Im Januar wollen sie der Politik einen groben Überblick vorlegen – sie wären zufrieden, wenn sich Allrot erstmal wenigstens in Teilbereichen schalten ließe. Dann zeigt sich, ob Planungsgelder fließen. Eine Refinanzierung durch Energiesparen wäre kaum möglich: Dank LED-Technik verbraucht eine Ampelkreuzung gerade noch Strom für 150 Euro im Jahr.

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