Stadt musste Kredit über 27 Millionen rückabwickeln

Einen Kassenkredit über 27 Millionen Euro bei einer Bank aus dem Orient musste die Stadt Lüdenscheid in diesem Jahr rückabwickeln.

LÜDENSCHEID - Es klingt wie ein Märchen aus tausendundeiner Nacht, sogar mit Happy End – dabei geht es doch nur schnöde um den städtischen Haushalt 2010: Bei einer Bank aus dem Orient mit einer Niederlassung in Deutschland hatte die klamme Stadt Lüdenscheid in diesem Jahr ein Konto für Kassenkredite eröffnet und mit 27 Millionen Euro belastet.

Bis dahin hatte die Stadtverwaltung ein solches Dispo-Konto nur bei der heimischen Sparkasse, doch machte der hohe Kreditbedarf ein weiteres nötig, wie Stadtkämmerer Karl Heinz Blasweiler erklärte. Der Ausflug in die weite Finanzwelt verlief indes alles andere als glücklich: Schon nach kurzer Zeit, etwa zur Jahresmitte, forderte die Bank zwecks Behebung interner Probleme das gesamte verliehene Geld auf einen Schlag zurück. Dies ist, wie Blasweiler auf Nachfrage der LN bestätigte, tatsächlich jederzeit möglich.

Die Stadt musste also handeln. Sie lieh sich das Geld zur Begleichung der Summe an anderer Stelle – diesmal wieder in eher heimischen Gefilden. Am Ende kam sie laut dem Kämmerer mit einem blauen Auge davon: „Wirtschaftlich ist nichts passiert, wir mussten das Geld faktisch nur umbuchen.“

Nach dem neuen kommunalen Finanzmanagement sind solche Transaktionen allerdings öffentlich aufzuführen. Und so stehen die 27 Millionen jetzt als „Tilgung von Kassenkrediten“ fast beiläufig in der jüngsten „Bekanntgabe von über- und außerplanmäßigen Auszahlungen und Aufwendungen“ für die nächste Sitzung des Stadtrates – zwischen Mini-Posten wie 162 Euro für die Ersatzbeschaffung nach einem „Schülerschaden“ oder weitergeleiteten 20 000 Euro für den Ausbau von Kita-Plätzen für Kinder unter 3.

Der enorm gestiegene Kreditbedarf der Stadt Lüdenscheid ist bekanntlich eine Folge der schlechten Einnahmeentwicklung im Krisenjahr 2009. Wie berichtet, war das Loch zwischen Einnahmen und Ausgaben im Etat 2009 59,4 Millionen Euro tief. Für das laufende Haushaltsjahr wird mit einem Minus von 25 Millionen Euro gerechnet.

Deshalb soll jetzt die Grundsteuer B für Hausbesitzer auf den Landesschnitt angehoben werden. Auch dieser Vorschlag wird zur Etat-Einbringung im Rat gemacht.

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