Stadt machtlos gegen brisante Lage am Sauerfeld

Mitten durch den fließenden Verkehr zwängen sich am Sauerfeld die Busfahrgäste, trotz – oder wegen – des Verbotsschilds.

LÜDENSCHEID - Trotz Verbotsschildern und gefährlicher Situationen auf dem stark und oft zu schnell befahrenen Sauerfeld: Busfahrgäste der MVG überqueren weiterhin munter die Fahrbahnen zwischen den Haltestellen vor der Sparkasse und dem Brighouse-Park. Auf diese nach wie vor brisante Lage wies im Hauptausschuss jetzt CDU-Ratsfrau Ursula Meyer hin: „Das sieht aus wie ein Wildwechsel, und dabei kann einem schnell ein Kind vor den Kühler laufen. Ich würde mir nach so einem Unfall jedenfalls Vorwürfe machen, wenn ich nicht wenigstens noch einmal nach möglicher Abhilfe gefragt hätte.“

Die soll jetzt nochmals geprüft werden, sagte Bürgermeister Dieter Dzewas zu. Aber er sagte auch: „Irgendwann ist das eine Frage der Selbstverantwortung. Über bauliche Maßnahmen etwa an der Jockuschstraße ist da nichts mehr zu machen. Und die Unvernunft geht so weit, dass auch gehbehinderte Menschen an dieser Stelle direkt übers Sauerfeld gehen – Menschen, denen wir für teures Geld mit dem Tunnel gerade eine barrierefreie Querung geschaffen haben“, schilderte der Bürgermeister eigene Beobachtungen.

Jens Holzrichter (FDP) erklärte als Vorsitzender des Bau- und Verkehrsausschusses, in dem der Wildwechsel am Sauerfeld längst ein Dauerbrenner ist: „Wir haben diese Situation jetzt seit Monaten, und es ist vieles versucht worden. Es gab eine Ortsbesichtigung im Herbst, es gibt Verbotsschilder, es gilt auf dem Sauerfeld Tempo 30. Die Polizei ist dort aktiv, auch mit einem Motorradpolizisten mit Trillerpfeife, der Fußgänger schon buchstäblich von der Fahrbahn zurückgepfiffen hat.“ Inzwischen sei auch der Fußgängertunnel wieder eröffnet worden, erinnerte Holzrichter, um dann trocken festzustellen: „Geändert hat das alles nichts.“ Vielmehr sei zu befürchten, dass sich hier unausrottbare Gewohnheiten einschleifen. Zusätzliche Gefahr entstehe dadurch, dass sich viele Autofahrer nicht um die Geschwindigkeitsbegrenzung in dem Baustellenbereich scheren.

Eine Entspannung der Lage kann sich Holzrichter allenfalls vorstellen, wenn sich die Haltestellen, die sich auf der Brighouse-Seite heute noch umbaubedingt weit oben am Sauerfeld drängen, wieder bis hinunter vor das Sauerland-Center verteilen. Dann liege der Tunnel für viele wieder näher als die Jockuschstraße.

Auf der Gegenseite versammelten sich die Fußgänger regelrecht unter dem Verbotsschild, um das Verbot dann von diesem „Aufstellplatz“ aus gemeinschaftlich zu missachten, berichtete Holzrichter. Baulich sei gegen all das jedenfalls nichts zu machen, will man die Jockuschstraße nicht völlig abbinden, bestätigte der Liberale den Bürgermeister. „Dann würde der Aufstellplatz nur noch voller.“

Eine Überraschung erlebten indes die LN gestern bei Aufnahmen an der Gefahrenstelle. Gleich mehrfach zeigten sich Passanten auf Nachfragen unserer Zeitung ehrlich verblüfft: „Wieso, da steht doch, dass man hier rübergehen soll“, hieß es. Offensichtlich halten viele Fußgänger, unter denen sich Schüler und ältere Menschen ohne Führerschein befinden, das Verbotsschild tatsächlich für eine Art Querungshinweis. Unterstützt wird dieser falsche Eindruck noch von Warnbaken, die wie eine schützende Einfassung wirken.

Wirklich zu lösen wäre das Problem durch den Abbau der Schilder allerdings nicht. Sie wurden ja wegen des Wildwechsels aufgestellt.

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