Stadt bildet nicht über Bedarf aus

LÜDENSCHEID - Die Stadt bildet 2013 nicht über Bedarf aus: Laut Ratsbeschluss bleibt es bei sechs statt zehn Ausbildungsstellen. Trotz eines Plädoyers von Josef Filippek, des ersten, das ein Personalrats-Vorsitzender vor dem Stadtrat halten durfte, stimmte die Mehrheit für den Vorschlag der Verwaltung.

Vergebens bat Filippek am Mikrofon um weitere vier Lehrstellen bei STL, Stadtbücherei, Kulturhaus und Zentraler Gebäudewirtschaft – „als Beitrag der Stadt angesichts von kreisweit 500 fehlenden Ausbildungsplätzen.“

Bürgermeister Dieter Dzewas stellte dazu fest, dass sich die Lage am Ausbildungsmarkt verändert habe: „Wer unsere zweite Ausbildungsbörse verfolgt hat, konnte gerade sehen, wie intensiv sich 80 Firmen aus Lüdenscheid und Umgebung um den Nachwuchs bemühten.“ Oliver Fröhling (CDU) ergänzte, dass es dort, wo es nicht klappe, oftmals eher um fehlende Ausbildungs-Fähigkeit als um die Zahl der Plätze gehe.

Stadtkämmerer und Personaldezernent Karl Heinz Blasweiler erklärte indes: „Wir wollen niemanden für die Arbeitslosigkeit ausbilden!“ Die bisher von der Stadt angebotenen Stellen für kaufmännische, handwerkliche oder IT-Berufe seien heute „nicht mehr marktgängig“. Sogar IT-Kräfte mit Verwaltungsausbildung hätten in der freien Wirtschaft weniger Chancen.

Auch sei es nur eine glückliche Fügung gewesen, dass etwa die in der Stadtbücherei ausgebildete Jugendvertreterin heute im Archiv arbeiten könne. „In einer öffentlichen Bücherei hätte sie wohl keine Stelle erhalten. Andere Städte unterliegen Haushaltsbeschränkungen wie wir und bevorzugen bei Einstellungen eigene Kräfte.“ FDP-Fraktionschef Jens Holzrichter fasste zusammen: „Wir würden Auszubildenden eine Perspektive nur vorgaukeln.“

Bernd Schildnecht (SPD) und Hermann Morisse (Grüne) enthielten sich dennoch, und mit Nein stimmten beide Linken-Ratsvertreter sowie Peter Oettinghaus, der sagte: „Informatiker oder Veranstaltungskaufleute sind am Markt heißbegehrt, ob öffentlich ausgebildet oder nicht.“

Der Werksausschuss-Vorsitzende Bernd Lührs (CDU) wies überbetriebliche Lehren beim STL für 2013 zurück: „Das haben wir früher immer getan. Aber damals hat uns die Stadt auch keine offenen Rechnungen hinterlassen.“ Dzewas reagierte sofort: „Das ist zu klären. Davon ist mir nichts bekannt.“ - hgm

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare