Auch für Radfahrer könnte das Gebiet attraktiver werden

Stadt will sich Unternehmensstandort für Wohnquartier am Stern-Center sichern

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Die Firma P.C. Turck (Bildmitte) befindet sich direkt in der Innenstadt. Eine Verlagerung ist geplant. Wann es so weit ist, ist unklar.

Lüdenscheid – Auf der Suche nach innenstadtnahen Baulandflächen hat die Stadt Lüdenscheid ein Auge auf den Komplex „P.C. Turck“ in unmittelbarer Nähe zum Stern-Center geworfen.

Sie will sich das Vorkaufsrecht für den gesamten Bereich sichern, in dem sich neben dem dortigen Stanzwerk auch Wohn- und Dienstleistungsgebäude befinden. Langfristig soll dort nach dem Willen der Stadt ein neues Wohnquartier entstehen. Durch den Erwerb privater Flächen könnte zudem die Gasstraße verbreitert werden, um sie für Radfahrer und Fußgänger attraktiver zu gestalten. 

Anlass für die Ausübung des Vorkaufsrechts – formal wird dafür eine Satzung erlassen – ist die geplante Verlegung des Standorts der Firma P.C. Turck in das interkommunale Gewerbegebiet Rosmart. Dort hat sich das älteste familiengeführte Industrieunternehmen der Stadt eine Flächenoption gesichert. Wann die Firma sie zieht, ließ der geschäftsführende Gesellschafter Dr. Peter Meinecke gegenüber unserer Zeitung offen: „Die Corona-Krise ist nicht gerade wirtschaftsfördernd. Im Moment müssen wir realistisch sein. Für große Schritte ist jetzt nicht der richtige Zeitpunkt“, sagte Meinecke. 

Hauptausschuss hat das letzte Wort

100 Mitarbeiter sind in der innenstadtnahen Produktion von Stanzteilen – insbesondere für die Automobilindustrie – beschäftigt. Die Stadtverwaltung rechnet nach eigenen Angaben erst „mittelfristig“ mit einer Betriebs-Verlegung nach Rosmart. Dennoch will sie sich frühzeitig ein weiteres Filetstück für die Innenstadtentwicklung sichern. Private Investoren kämen bei einer Aufgabe des Industriestandorts damit erst einmal nicht zum Zuge. 

Im Stadtentwicklungsausschuss am Mittwoch (18 Uhr, Kulturhaus) beraten zunächst die Ausschussmitglieder über den Satzungsbeschluss. Das letzte Wort hat der Hauptausschuss am kommenden Montag. Das Vorkaufsrecht kann einer Kommune die „geordnete städtebauliche Entwicklung“ in ihrem Einflussbereich ermöglichen. Es ist nicht gleichbedeutend mit dem tatsächlichen Kauf. Der Verkäufer muss aber im Verkaufsfall zunächst mit der Stadt verhandeln. 

Identisches Vorgehen beim Areal "Wiesenstraße"

Mit dem identischen Vorgehen hatte sich die Stadt Lüdenscheid im Vorjahr bereits den Zugriff auf das Areal „Wiesenstraße“ gesichert. Anlass war die angekündigte Aufgabe des Industriestandorts der Firma Novelis. In den Satzungsbereich wurden auch Flächen der Firmen Markes und Kostal einbezogen. An der Wiesenstraße sollen mittelfristig Wohnungen entstehen. Nach Angaben der Stadt gebe es derzeit noch keine konkreten Verhandlungen mit Novelis, gleichwohl stehe man mit dem Unternehmen in Kontakt. 

Die Stadt will sich das Vorkaufsrecht für den markierten Bereich sichern. Nordwestlich angrenzend befindet sich das Nottebohm-Gelände.

Wie berichtet, werden voraussichtlich im September 2020 die letzten Arbeiter das Aluminiumwerk in Lüdenscheid verlassen. Ein Teil der Produktion wird nach Plettenberg-Ohle verlegt. Um den Herausforderungen am Wohnungsmarkt begegnen zu können, sieht das Handlungskonzept Wohnen (HWK) in Lüdenscheid den Neubau von mindestens 1000 Wohneinheiten bis zum Jahr 2025 vor. Den Bereich „P.C. Turck“ sieht die Stadt dafür als geeignet an. 

Die Innenstadt sei fußläufig erreichbar, ebenso wie der nächste Supermarkt im Stern-Center. Die städtebauliche Rahmenplanung für den Bereich geht aber über das Turck-Quartier hinaus. Sie umfasst auch das Gelände der Firma Nottebohm auf der anderen Seite der Altenaer Straße. Ein Vorkaufsrecht besteht hier bislang nicht.

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