Stadt bekommt keinen Euro von „Harry Hirsch“

LÜDENSCHEID ▪ Anderthalb Jahre nach einer Ü-30-Party, die nur im Vorfeld große Wellen schlug, hängen immer noch „Harry-Hirsch“-Plakate im Stadtgebiet: Aus manchen sind Streifen herausgerissen, andere sind noch vollständig – bis auf die rot-gelben Farbanteile des Drucks, die das UV-Licht „gefressen“ hat.

„Kein Geld, kein Plakat entfernt“ bestätigt Dieter Rotter vom Städtischen Amt für Bauservice und Bauordnung kurz und knapp den Verdacht, dass nicht nur die Hoffnung auf eine strafrechtliche Verfolgung unbegründet war, sondern auch zivilrechtliche Ansprüche keine Chance hatten. „Ich wüsste keine Stadt, der es gelungen wäre, Schadensersatz von Harry Hirsch zu bekommen“, zieht Dieter Rotter ein ernüchterndes Fazit. Mit seinem tschechischen Wohnsitz sei Harry Hirsch nicht zu greifen gewesen, und „eine Kassenpfändung ist nicht so einfach“. „Wir haben keine pfändungsfähige Postadresse.“ Ein Schaden in „kleiner vierstelliger Höhe“ sei auf dem Rechtsweg sowieso nur schwer einzutreiben: „Die Gerichte sind da nicht immer auf unserer Seite“, beklagt Dieter Rotter. Bei einer wilden Plakatierung für eine Erotikmesse in Iserlohn sei es ähnlich gewesen: Die Berliner Veranstalter waren dort unter keiner Adresse greifbar.

Die einzige Chance gegen solche Plakatierungsüberfälle sieht Dieter Rotter deshalb im schnellen Entfernen der Plakate, damit diese gar nicht erst ihre Werbewirksamkeit entfalten können. Im März 2009 trugen die Lüdenscheider offenbar das Ihre dazu bei: Nur 50 Besucher seien in die Schützenhalle gekommen, erinnert sich Rotter.

Angesichts der Rechtslage bleibt wohl nur die Hoffnung, dass er mit seiner Prognose Recht behält: „Das war das letzte Mal, dass Harry Hirsch nach Lüdenscheid gekommen ist“. Ansonsten landet wohl wieder eine Rechnung im Rathaus.

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