Verdacht der Schwarzarbeit und Unterschlagung

Staatsanwalt ermittelt gegen DRKler

Lüdenscheid - Drei hauptamtliche Mitarbeiter im Lüdenscheider Stadtverband des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) stehen im Verdacht, im Kranken- und Behindertenfahrdienst Schwarzarbeit organisiert zu haben. Außerdem ermittelt die Staatsanwaltschaft Hagen wegen Unterschlagung. Zollfahnder haben Computer und Aktenmaterial beschlagnahmt.

Von Olaf Moos

Nach Recherchen der Lüdenscheider Nachrichten geht das Ermittlungsverfahren auf die Strafanzeige einer ehemaligen DRK-Mitarbeiterin vom Frühjahr 2014 zurück. Darin geht es unter anderem um fingierte Arbeitsverträge für geringfügig Beschäftigte, manipulierte Transportscheine und Fahrtkosten-Abrechnungen sowie Verstöße gegen Steuer- und Sozialversicherungsrecht.

Zoll stellt umfangreich Beweismaterial sicher

Details nannte Bernd Maas als Sprecher der Staatsanwaltschaft unter Hinweis auf das laufende Verfahren nicht. Bestätigt ist jedoch, dass Beamte des Hauptzollamtes Dortmund am 30. Januar Büros im DRK-Heim an der Hochstraße durchsucht und umfangreich Beweismaterial sichergestellt haben.

Auswertung der Daten dauert mehrere Wochen

Nach Auskunft von Staatsanwalt Maas soll die Auswertung der Daten mehrere Wochen dauern. „Bis dahin ist offen, ob sich der Anfangsverdacht zu einem hinreichenden Tatverdacht verdichten lässt.“ Zusätzlich stehe der Vorwurf der Unterschlagung medizinischer Hilfsmittel im Raum. Dabei geht es offenbar um die Beschaffung von Handschuhen oder Mundschutz-Masken.

"Wir haben uns nichts vorzuwerfen"

Der Geschäftsführer des Roten Kreuzes in der Kreisstadt, Gerd Tolksdorf, bestätigt den Einsatz der Zollfahnder. „Es wurden Laptops, Datenträger und Akten mitgenommen.“ Er habe einen Rechtsanwalt damit beauftragt, Akteneinsicht bei der Ermittlungsbehörde zu nehmen, „damit wir erfahren, was die überhaupt von uns wollen“, so Tolksdorf. Weiter sagte der Geschäftsführer: „Wir haben uns nichts vorzuwerfen.“ Das Präsidium stehe hinter dem DRK-Vorstand.

Susanne Mewes bezeichnet Vorwürfe als "dubios"

Die Vorsitzende des DRK-Präsidiums, CDU-Ratsvertreterin Susanne Mewes, bezeichnet die Vorwürfe gegen die Mitarbeiter als „dubios“. Sie selbst habe Gespräche mit Ex-Beschäftigten geführt, die „berechtigten Vorwürfen“ ausgesetzt gewesen und entlassen worden seien. Möglicherweise habe da noch jemand „alte Rechnungen offen“, so Mewes.

Sondersitzung des DRK-Präsidiums

Am Mittwochabend trafen sich Mitglieder des DRK-Präsidiums zu einer Sondersitzung. Susanne Mewes: „Wenn die Ermittlungen stichhaltig sind, müssen wir Konsequenzen ziehen. Wenn nicht, dann nicht.“

Der Lüdenscheider DRK-Stadtverband hat derzeit 2500 Mitglieder. Davon leisten 120 Helfer ehrenamtliche Arbeit für den Verband. Im vergangenen Jahr feierte das Rote Kreuz in der Kreisstadt sein 150-jähriges Bestehen.

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