Haftstrafe für Rachetat gefordert

Staatsanwalt unterstellt Mann aus Lüdenscheid keinen Mordversuch

Lüdenscheid/Dortmund - Er muss voraussichtlich in Haft, die Strafanträge liegen zwischen knapp zweieinhalb und vier Jahren, doch gerade deshalb sieht es gut aus für den Messerstecher aus Lüdenscheid: „Davon, dass der Angeklagte mit Tötungsvorsatz gehandelt hat, bin ich nicht überzeugt“, sagte Staatsanwalt Henner Kruse in seinem Plädoyer am Dienstag.

„Ich bin überzeugt, dass das Messer erst im späteren Verlauf des Konfliktes gezogen worden ist.“ Will sagen: Der 37-jährige Angeklagte hatte das Messer wohl noch nicht in der Hand, als er am 4. Mai auf den 31-jährigen Kellner einer Bar in der Dortmunder Innenstadt losging.

Keine Zweifel gibt es allerdings daran, dass der Angreifer entschlossen war, sein Gegenüber ernsthaft zu verletzen – aus Rachegelüsten, wie der Staatsanwalt feststellte. Demnach griff der Angeklagte erst dann zum Messer, als sich das Blatt in der zunächst mit Fäusten ausgetragenen Auseinandersetzung gegen ihn zu wenden begann. „Das war eine sinnlose Gewaltstraftat, die hässlich und schlimm war und bei der es reines Glück war, dass der Zeuge einigermaßen glimpflich davongekommen ist.“

Der Staatsanwalt beantragte vier Jahre Haft, von denen der Angeklagte seit der Tat bereits sechs Monate in Untersuchungshaft verbüßt hat. Folgt das Gericht dem Antrag des Staatsanwaltes, könnte der 37-Jährige nach Verbüßung von weiteren sechs Monaten in eine Entziehungsanstalt für Suchtkranke wechseln.

Die Voraussetzungen für eine Einweisung seien gegeben, schob der Staatsanwalt seine anfängliche Skepsis in dieser Frage beiseite. Denn am dritten Verhandlungstag hatte der Vorsitzende Richter Wolfgang Meyer die lange Liste der Vorstrafen des 37-Jährigen verlesen. Sie machte noch einmal deutlich, welch große Rolle Alkohol und andere Drogen bei fast allen Straftaten des Angeklagten gespielt hatte. Allerdings war er bisher immer nur zu Geldstrafen verurteilt worden.

Strafverteidiger Dirk Löber schloss sich den Feststellungen des Staatsanwaltes weitgehend an. Er wertete die gefährliche Körperverletzung allerdings als „minderschweren Fall“ und beantragte, den Haftbefehl gegen seinen Mandanten aufzuheben, weil es keine Fluchtgefahr gebe.

Das Urteil wird am 17. November ab 15.30 Uhr verkündet.

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