Staatsanwältin fordert acht Jahre

Lüdenscheid - Am Freitag wird die 9. Strafkammer des Hagener Landgerichts das Urteil über den Familienvater verkünden, der zahlreicher Verbrechen angeklagt ist. Am Montag beantragte die Staatsanwältin eine Freiheitsstrafe von acht Jahren. Strafverteidigerin Lena Retschkemann appellierte an das Gericht, „gut abzuwägen“ und wegen „erheblicher Zweifel“ an der Schuld ihres Mandanten ein mildes Urteil zu fällen. Es gebe Anhaltspunkte, den Angeklagten sowohl als „Serienverbrecher“ als auch als „braven Familienvater“ zu sehen.

Nach Überzeugung der Anklägerin ist der schweigsame Mann, der stets adrett gekleidet und sorgfältig frisiert auftritt, ein „äußerst brutaler und skrupelloser Schwerkrimineller“. Sein Motiv sei „Rache“ und „Selbstjustiz“ gewesen. Der Angeklagte sagt in seinem letzten Wort vor der Urteilsverkündung, er habe nur seinen Bruder beschützen wollen. „Und jetzt ist das wie ein Schneeball zu einer großen Sache geworden.“

Einigkeit herrscht vor Gericht in der Vorgeschichte der angeklagten Fälle. Tatsächlich wurde der jüngere Bruder des 28-Jährigen wohl von einer Gruppe junger Männer aus dem Alkohol- und Drogenmilieu schwer misshandelt. Statt zur Polizei zu gehen, benachrichtigte die verzweifelte Mutter ihren älteren Sohn – den Angeklagten.

Rechtsanwältin Retschkemann blickt auf eine „äußerst schwierige Beweisaufnahme“ zurück, lobt die Kammer für ein „faires Verfahren“ und entschuldigt sich für ihre „emotionalen Äußerungen“. Gefühlsbetont fällt auch ihre Einschätzung des Mandanten aus. „Ich bin der Meinung, dass er nicht in der Lage ist, sich so zu verstellen.“ Wenn es stimme, was ihm vorgeworfen wird, „dann muss er ein sehr sehr schlimmer Mensch sein“.

Das Plädoyer der Verteidigerin zielt in erster Linie auf Zweifel – an der Glaubwürdigkeit von Belastungszeugen, an der Beobachtungsgabe von zufälligen weiteren Zeugen, an der Qualität polizeilicher Ermittlungen und der Zulässigkeit von Rückschlüssen. Objektive Beweise seien Mangelware. „Die Taten sind nicht zur Genüge aufgeklärt.“

Entführung, räuberische Erpressung, mehrfache gefährliche Körperverletzung, Nötigung, Raub – für die Anklägerin steht die Schuld des 28-Jährigen fest. „Wir sind hier nicht in einer Bananenrepublik oder in der Mafia, in der ein Schwerkrimineller das Recht des Stärkeren ausübt.“ Der Angeklagte habe „Freude am Quälen“ gehabt.

Das Urteil soll am Freitag in Saal 247 des Landgerichtes Hagen verkündet werden. Beginn ist um 11 Uhr.

Olaf Moos

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